Validation
Ja, also, der Alex meldet sich kurz mal ab.
Ja, also - sagte ich schon -, Flexibilität atmet der Wannsee-Schüler ja sowieso. Er ist sozusagen das lebende Exempel - lebend und wandelnd, um genau zu sein - für Flexibilität. Das Hauptwort "Flexibilität" in Person. Aber auch dieser Superlativ lässt sich noch strecken.
Guckst du! Schmiegt sich der Klient zum Beispiel in einem intensiv empfundenen Moment der Verbundenheit mit Mutter Natur im hauseigenen Garten ins Grüne Gras, so gesellt sich der Wannsee-Schüler löffelchend daneben, um den Naturverbundenen nicht aus seiner Trance zu reißen. So wird dem Klienten dann vorsichtig der Puls gefühlt, der Blutdruck gemessen. Die Manschette mit einem zarten Knarpsen des Klettverschlusses dem Seligen um den Arm geschmiegt. Eine Einheit aus Erdanbetung und pflegerischem Selbstverständnis. Eins und eins.
Der gute Wannsee-Schüler kann noch mehr. Der gute Wannsee-Schüler sieht in empathischer Verbundenheit Hunde, die der Klientin um die Füße laufen und auch noch den wunderschönen Namen Lilly-Marlen tragen. Hunde die es vielleicht mal gab, oder die auch ganz und gar der Fantasie der Klientin entsprungen sein mögen, man weiß es nicht, er sieht sie sprigen, die Lillys, der gute Wannsee-Schüler.
Der Wannsee-Schüler praktiziert Validation in Reinform, wenn er die gehunfähige Patientin sucht, auf der Toilette endlich findet und auf die Frage, wer ihr denn geholfen habe, die schlichte Antwort erhält: "Na, die Schwiegermama!"
Schwiegermama, heißt es außerdem, dusche gerade. Schwiegermama entpuppt sich als Kondenswasserstreifen, will sagen, hat sich in Luft aufgelöst, oder war nie da, man weiß es nicht. Trotzdem nickt der Kopf des Pflegeschülers bestätigend: Ja, die Schwiegermama habe wohl mal wieder geholfen. Zum Mitschreiben: V-A-L-I-D-A-T-I-O-N.
Wer sich jetzt nichts unter diesem Begriff vorstellen kann der höre, wie es weitergeht. Der Dame wird von der Toilette in den Rollstuhl geholfen - wieso sagen die eigentlich immer "wird in den Rollstuhl mobilisiert"? Eine besonders bestechende Form schwarzen Humors? - also, die Dame wird in den Rollstuhl mobilisiert und greift sich dann ins Haar. Es sei so nass (das Haar).
Nass? "Ja, ick hab doch jerade jeduscht!", ruft sie, und blickt mich empört an. Wie konnte ich das so schnell vergessen? Sie müsse aufpassen, dass sie sich keine Erkältung hole.
Ich: Validation! Sie brauche sich keine Sorgen machen, ich würde sie nur ins Wohnzimmer rüberrollen, dort sei es warm und nicht besonders zugig. Sie ward beruhigt.
Kaum rolle ich an, bremst Frau S. ab: "Momentschen mal. Meene Handtasche und meene grüne Jacke!" Ich denke: Wo? Im Abfluss der Dusche untergegangen oder versehentlich runtergespült? Geh mir nich auf den Keks... Und ich denke: Nee, jetzt ist Schluss mit Validation. Ich kann ja nicht einfach so vor mich hin validieren bis ich schwarz sehe. Das nimmt ja kein Ende, und schwarz hat viele Schattierungen. Also ich: "Sie haben keine grüne Jacke und ihre Handtasche haben sie auch nicht mitgebracht. Die haben wir heute schon zweimal in allen Schränken und in ihrem Nachttisch gesucht!" Sie: "..."
Schon gemein, irgendwie. Det Leben is een schweret!
Ja, also - sagte ich schon -, Flexibilität atmet der Wannsee-Schüler ja sowieso. Er ist sozusagen das lebende Exempel - lebend und wandelnd, um genau zu sein - für Flexibilität. Das Hauptwort "Flexibilität" in Person. Aber auch dieser Superlativ lässt sich noch strecken.
Guckst du! Schmiegt sich der Klient zum Beispiel in einem intensiv empfundenen Moment der Verbundenheit mit Mutter Natur im hauseigenen Garten ins Grüne Gras, so gesellt sich der Wannsee-Schüler löffelchend daneben, um den Naturverbundenen nicht aus seiner Trance zu reißen. So wird dem Klienten dann vorsichtig der Puls gefühlt, der Blutdruck gemessen. Die Manschette mit einem zarten Knarpsen des Klettverschlusses dem Seligen um den Arm geschmiegt. Eine Einheit aus Erdanbetung und pflegerischem Selbstverständnis. Eins und eins.
Der gute Wannsee-Schüler kann noch mehr. Der gute Wannsee-Schüler sieht in empathischer Verbundenheit Hunde, die der Klientin um die Füße laufen und auch noch den wunderschönen Namen Lilly-Marlen tragen. Hunde die es vielleicht mal gab, oder die auch ganz und gar der Fantasie der Klientin entsprungen sein mögen, man weiß es nicht, er sieht sie sprigen, die Lillys, der gute Wannsee-Schüler.
Der Wannsee-Schüler praktiziert Validation in Reinform, wenn er die gehunfähige Patientin sucht, auf der Toilette endlich findet und auf die Frage, wer ihr denn geholfen habe, die schlichte Antwort erhält: "Na, die Schwiegermama!"
Schwiegermama, heißt es außerdem, dusche gerade. Schwiegermama entpuppt sich als Kondenswasserstreifen, will sagen, hat sich in Luft aufgelöst, oder war nie da, man weiß es nicht. Trotzdem nickt der Kopf des Pflegeschülers bestätigend: Ja, die Schwiegermama habe wohl mal wieder geholfen. Zum Mitschreiben: V-A-L-I-D-A-T-I-O-N.
Wer sich jetzt nichts unter diesem Begriff vorstellen kann der höre, wie es weitergeht. Der Dame wird von der Toilette in den Rollstuhl geholfen - wieso sagen die eigentlich immer "wird in den Rollstuhl mobilisiert"? Eine besonders bestechende Form schwarzen Humors? - also, die Dame wird in den Rollstuhl mobilisiert und greift sich dann ins Haar. Es sei so nass (das Haar).
Nass? "Ja, ick hab doch jerade jeduscht!", ruft sie, und blickt mich empört an. Wie konnte ich das so schnell vergessen? Sie müsse aufpassen, dass sie sich keine Erkältung hole.
Ich: Validation! Sie brauche sich keine Sorgen machen, ich würde sie nur ins Wohnzimmer rüberrollen, dort sei es warm und nicht besonders zugig. Sie ward beruhigt.
Kaum rolle ich an, bremst Frau S. ab: "Momentschen mal. Meene Handtasche und meene grüne Jacke!" Ich denke: Wo? Im Abfluss der Dusche untergegangen oder versehentlich runtergespült? Geh mir nich auf den Keks... Und ich denke: Nee, jetzt ist Schluss mit Validation. Ich kann ja nicht einfach so vor mich hin validieren bis ich schwarz sehe. Das nimmt ja kein Ende, und schwarz hat viele Schattierungen. Also ich: "Sie haben keine grüne Jacke und ihre Handtasche haben sie auch nicht mitgebracht. Die haben wir heute schon zweimal in allen Schränken und in ihrem Nachttisch gesucht!" Sie: "..."
Schon gemein, irgendwie. Det Leben is een schweret!

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