Willste dir den Tag versauen, dann fährste schnell ma raus nach Nauen

Jesacht, jetan.

Da war er also wieder, dieser Wille, mal etwas anderes zu erleben.


Tierjarten, gähn. Jungfernheide, doppel-gähn, wat noch... Wannsee, ick bin doch nich blöde...
Also rin in den Regionalexpress und raus ins Abenteuer Brandenbursch. Wat erleben.

Nauen, klingt beschaulich. 45 km unweit der Hauptstadt, raus ausm Regionalexpress, die Wildnis ruft.
Erst mal in Form einer Havelländischen Kleinstadt. Da isset schon, det erste Schild. Klingt vielversprechend: "Historische Altstadt", gleich unter - wohlgemerkt UNTER - dem Schild "Arbeitsamt" Das wischtischste zuvorderst. Jemein, aber wahr.


Ja, so lieben wir unser Brandenbursch. Nur, wat machen die Brandenburscher denn jerade. 25 Grad im Schatten. Vielleicht ne typisch Brandenburscher Siesta? Oder sind in Barlin? Hier sindse nich. Tot. Aba immerhin teilsaniert. Also tot mit jelbem Anstrich und rotem Klinker. Und eigentlich janz hübsch. Die Läden (Sind die unter der Woche offen, oder tun die nur so?) ham alle so charakteristisch brandenburgsche Namen wie "Chic und Charme", oder "Flair", der Woll-Laden, und det einzige Gartenlokal hört uf den Namen "Bea's Biergarten". Hier schreibt man det auch noch mit Apostroph, obwohl die Rechtsschreibreform ja jerade mal 10 Jährschen zurückliegt, und man ja eigentlich auch vor der Reform keenen Apostroph jebraucht hat. Ejal. Her mit den Apostrophen.

Essen tut man hier, wenn man mal schick ausjehen will, im jemütlichen Schina-Imbiss, oder im "Super-Döner-Kebap"-Lädschen. Multikulti nich zu knapp.

Dann jibt es da noch nen verfallenen Bau, wo drufsteht: "Theater der Freundschaft". Da wird mir gleich janz warm ums Herz. "Jenossen, an meene Brust!", denk ich. Gitter drumrum, damit die möglicherweise herabfallenden Fassaden-Bröckchen keenen arglosen Touristen erschlagen. Vielleicht jibt es ja nochmal nen Großinvestor, der hier n' groset Wettbüro aufziehn will, hier, gleich neben Beas Biergarten und dem Restoront Volksjarten. Scheint so ziemlich das einzige zu sein, wat hier noch läuft, det Wettjeschäft.


Die Getränkemärkte tragen hier so malerische Namen wie "Jute Jetränke". Nee, is klar, warum sollte man so nen Laden och "Zum schlechten Jetränk" taufen. Wär ja irgendwie jeschäftsschädigend.
Und denn, und det find ick nu wirklich jut, hamse hier eene Kleinjartenkolonie neben der anderen. Is ja auch wahr. Hier is eenfach zu viel Land, offenet Land. Da kann man eenfach nich anders als parzellieren und einzäunen, allet in kleenen Stücken, janz kleenen Stücken, eben jerade jenuch Platz für nen Tisch, nen Stuhl und nen aufblasbaren Pool. Die scheint es hier verangenet Jahr mal im Sonderanjebot bei Aldi jejeben zu haben. Jeden zweiten Jarten ziert so een aufblasbares Binnenmeer. Nee, is wirklich schön, unser Brandenbursch. Urlaub mal anders.

Und denn, direkt beim Umspannwerk Nauen fühlen wir Exilberliner uns für nen Moment janz heimisch. Wir nehmen die gedachten Schirmmützen vom Kopf und machen det, wat man immer macht, wenns Jefühl eenen überwältigt: Wir lejen ne Jedenkminute ein. Der Kuhdamm! Hier mittenmang, in der Banlieu von Nauen. Der Kuhdamm.
Kuhdamm? Hier hamse überhaupt nen Hang allet groß zu machen. Jede Jasse heißt hier "... Chaussee" oder "... Allee", selbst wenn det Sträßken jerade mal nen Meter fufzig breit und nur von ner räudigen Grasnarbe bedeckt is. Jefällt mir. Groß denken. Is doch meen Motto.

Eens ham wa nich jefunden: Die Ureinwohner. Aber sie leben hier, sonst jäb es ja keen Arbeitsamt, oda?

der Alex

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Da haben wir die Stimmung aber gut eingefangen - Habe ebenfalls zwei Dinge zum gestrigen Tag bezusteuern... Guckst du!!!

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