Schwestern im Weltall oder "Der verlorene Patient"
So 'ne Station kann ja janz schön groß sein. Wenn se will.
Unsere ist een Raumschiff, wie du dette noch nich jesehen hast. Irjendwie fehlen nur diese automatisch uffgleitenden Schleusentüren - "ssssssssst - offen, durchtreten, sssssst - zu, weiterjehen" - um mich in dem Jefühl zu bestärken, uff der jrößten aller Stationen irjendwie zwischen Mars und Venus verschollen zu sein.
Ick sage es Euch: Wenn de wolltest könnteste bei uns für den Berlin-Marathon üben, müsstest nur alle hundert Meter mal ne Wendung machen.
Was für Marathonisten praktisch sein mag, is für uns die reine Qual. Bin ick 10-Kämpfer oder wat? Da muss ick zum Beispiel irjendeinem von meenen Mädels die Windel wechseln und hab keen frischet Einschlaghöschen im Zimmer. Wat mach ick? Raus ausm Zimmer, rechts und links jeguckt ob irjendwo ein Wagen mit Pfleje-Artikeln jeparkt is. Is natürlich Essig damit. Also duck ick mir ins Startloch und sprinte los. Runter, runter, runter, runter den Flur, denn leichte Linkskurve, denn rechts in die Versorjung, Windel zwischen die Zähne jenommen, damit die Arme beim Loofen besser schwingen können, und wieder zurück, Flur, leichte Rechtskurve und hoch, hoch, hoch den Korridor, Tür im Lauf mit der Stirn ufjedrückt und endlich erschöpft hechelnd vor meener alten Dame über die Ziellinie jetreten. Meen Schweiß tropft uff die Windel und wird von der einjebrachten Mullschicht absorbiert.
Müsst ick eijentlich gleich nochmal los, aber ick will nich.
Ja, unsere Station. So hoch kann ich abends die Füße jar nich legen, det am nächsten Morgen det in die unteren Extremitäten versackte Blut wieder im Kopf anjekommen is.
Ick sage es Euch: Wenn de wolltest könnteste bei uns für den Berlin-Marathon üben, müsstest nur alle hundert Meter mal ne Wendung machen.
Was für Marathonisten praktisch sein mag, is für uns die reine Qual. Bin ick 10-Kämpfer oder wat? Da muss ick zum Beispiel irjendeinem von meenen Mädels die Windel wechseln und hab keen frischet Einschlaghöschen im Zimmer. Wat mach ick? Raus ausm Zimmer, rechts und links jeguckt ob irjendwo ein Wagen mit Pfleje-Artikeln jeparkt is. Is natürlich Essig damit. Also duck ick mir ins Startloch und sprinte los. Runter, runter, runter, runter den Flur, denn leichte Linkskurve, denn rechts in die Versorjung, Windel zwischen die Zähne jenommen, damit die Arme beim Loofen besser schwingen können, und wieder zurück, Flur, leichte Rechtskurve und hoch, hoch, hoch den Korridor, Tür im Lauf mit der Stirn ufjedrückt und endlich erschöpft hechelnd vor meener alten Dame über die Ziellinie jetreten. Meen Schweiß tropft uff die Windel und wird von der einjebrachten Mullschicht absorbiert.
Müsst ick eijentlich gleich nochmal los, aber ick will nich.
Ja, unsere Station. So hoch kann ich abends die Füße jar nich legen, det am nächsten Morgen det in die unteren Extremitäten versackte Blut wieder im Kopf anjekommen is.
Wat ick bisher nich wusste, nich eenmal ahnte, is, det die Station, also unser jijantisches Jesundheits-Raumschiff, so groß is, det Patienten in diesen unendlichen Weiten eenfach verlustisch jehen. Ja, da jibt es richtige schwarze Löcher. Glaubst du nich? Guckst du!
Es jeschah an einem schönen Montag im Wonnemonat März.
Ick und meene Mitschwester Julia rödeln durch den Nachmittagsdienst. Unsere Mädels (PatientInnen) haben wir alle irjendwie im Blick, ihre Zimmer liejen alle entlang der bereits beschriebenen Marathon-Linie. Der Dienst läuft wie jeölt, allet is fein, alle sind glücklich. Insofern überhaupt jemand glücklich is im Jesundheitshaus, ick weeß.
Bis zum Abendessen. Um fünf Uhr - wer hat sich eijentlich diese bescheuerten Essenszeiten ausjedacht? - wird der Mampf in die Zimmer jeräumt, Tablett für Tablett uff die Laminat-Tische jeschaufelt, die reinste Augenweide - wenn det Ooge mitißt hat et eben Pech jehabt - und et duftet... jar nich.
Aber det war nich der Punkt, den ick hier machen wollte.
Schwester - 'tschuldijung: Krankenpflejeschülerin - Jette streckt uns mit großen Oogen een Tablett mit 'nem Namen entgejen, den wir noch nie jehört haben: "Müller".
Ick meene, klar haben wir den Namen schon mal jehört, aber uns wurde jetze keen "Müller" als jüngstet Mitglied unserer Besatzung vorjestellt. Uff dem Schild am Essenstablett steht ooch 'ne Zimmernummer. Praktisch. Und guckst du: Icke und Julia stieren uns mit offenen Mündern, jesträubten Haaren und tellergroßen, panikerfüllten Oogen an...
Hilfääääääää, rufen wir uns inwendig zu, Hilfääääää, da liegt een Patient, von dem wir nix wussten. Verschollen im Raumschiff uff Zimmer Siebenundvierzich. Und keener wusste von nix. Hilfääää, wat is, wenn det Objekt schon längst im Koma liecht, nen Herzkasper erlitten hat oder aus allen Löchern blutet und niemand hält den Finger drauf? Und wir sind denn Schuld. Det wäre nu echt blöd.
Schwester - 'tschuldijung: Krankenpflejeschülerin - Jette streckt uns mit großen Oogen een Tablett mit 'nem Namen entgejen, den wir noch nie jehört haben: "Müller".
Ick meene, klar haben wir den Namen schon mal jehört, aber uns wurde jetze keen "Müller" als jüngstet Mitglied unserer Besatzung vorjestellt. Uff dem Schild am Essenstablett steht ooch 'ne Zimmernummer. Praktisch. Und guckst du: Icke und Julia stieren uns mit offenen Mündern, jesträubten Haaren und tellergroßen, panikerfüllten Oogen an...
Hilfääääääää, rufen wir uns inwendig zu, Hilfääääää, da liegt een Patient, von dem wir nix wussten. Verschollen im Raumschiff uff Zimmer Siebenundvierzich. Und keener wusste von nix. Hilfääää, wat is, wenn det Objekt schon längst im Koma liecht, nen Herzkasper erlitten hat oder aus allen Löchern blutet und niemand hält den Finger drauf? Und wir sind denn Schuld. Det wäre nu echt blöd.
Jetze stellt sich also die Frage: Wer is det, was hat er, warum steht an dem Zimmer een Schild jeschrieben "Bitte vor dem Eintreten beim Personal melden!"
Und warum hängen an 'nem Ständer vor der Tür Janzkörperverdeckungen und een Halter mit Atemmasken? Fragen über Fragen. Julia jeht mal im Schwesternzimmer suchen, ob irjendeen Dokument zu finden is, det Auskunft über unseren unverhofften Neuzujang jibt. Ick schmeiße mich todesmutig in die Seuchenkluft und drücke die Klinke.
Siehe da, da liegt een Mensch. Sowat. Keen Blut, atmet, spricht sogar, guckt een wenig indigniert, aber det wars. Mehr nich.
Und warum hängen an 'nem Ständer vor der Tür Janzkörperverdeckungen und een Halter mit Atemmasken? Fragen über Fragen. Julia jeht mal im Schwesternzimmer suchen, ob irjendeen Dokument zu finden is, det Auskunft über unseren unverhofften Neuzujang jibt. Ick schmeiße mich todesmutig in die Seuchenkluft und drücke die Klinke.
Siehe da, da liegt een Mensch. Sowat. Keen Blut, atmet, spricht sogar, guckt een wenig indigniert, aber det wars. Mehr nich.
Jut, allet weitere is Makulatur, ick erwähne lediglich nebenbei, det der Jast dort janze sieben Stunden im Bette saß, bevor der erste Krankenpflegetrottel - icke - sein maskiertes Über-Ich durch die Türe schob. Da fällt einem nix mehr ein. Irjendwie dachte bei der Übergabe jeder: Ooooooch, det Zimmer Siebenundvierzich is nich meenet. Und so kam es, det der Patient im Nirjendwo zwischen "Rechter Seite" und "U" (so heißen hier die einzelnen Abschnitte - warum ooch immer - nich denken!) verschwand.
Det schwarze Loch uff Station Zwei Ce. Die Fortsetzung von "Der englische Patient". Guckst du! Vielleicht sollten wir unseren Jästen eenfach bei der Ankunft so ne Art Kuhglocke umhängen, denn würden wir unsere Schäfchen wenigstens ooch in den hintersten Ecken der Station noch bimmeln hören...
Det schwarze Loch uff Station Zwei Ce. Die Fortsetzung von "Der englische Patient". Guckst du! Vielleicht sollten wir unseren Jästen eenfach bei der Ankunft so ne Art Kuhglocke umhängen, denn würden wir unsere Schäfchen wenigstens ooch in den hintersten Ecken der Station noch bimmeln hören...

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