Warenlager
Brief an die Hausleitung
Icke an die sehr Jeehrten!
Ick bin ja een Freund von ausjesprochenen Tatsachen, een Anhänger der Nenn-die-Dinge-beim-Namen-Jilde.
Scheiße is Scheiße und nich Defäääääkation, Windel is Windel, det lass ick mir eenfach nich als Inkontinenzmaterial – oder janz fein: IKM - verkoofen. Det weeß jeder, der mich kennt. Da kenn ick keen Paadong.
Aber da jibt es wat, wo sich meene Meinung een bisschen verrückt hat.
Komm ick neulich zum Dienst, marschiere jelassen zum Aufgang T1 im Altjebäude. Als ick die Tür so munter uffschwinge, fällt meen Blick uff ne Tafel, uff der anjeschlagen steht: „Warenlager“.
Aha, sach ick mir, det is also die Beschreibung des Aufjanges zur Schwesternumkleide. Warenlager. Fein, denk ick mir. Schön, dass die Verwaltung so sensibel mit unseren Jefühlen umjeht. Schön, dass die Dinge beim Namen jenannt werden.
Warenlager. Wieso nich gleich „Ersatzteillager für ausjegliederte Schwestern-Teilchen“. Nich so zartbesaitet, liebe Chefs. Alte Schwester kaputt, neue Schwester bereit im Warenlager. Bitte abholen im Warenlager.
Warenlager also. Ja, nennen Se die Dinge beim Namen! Tun Se sich keenen Zwang an. Ick weeß schon, det ick ersetzbar bin. Aber so? Is klar: Die Schwester an sich is ne wohlfeile Ware. Kannste koofen in jedem Billig-Discounter für – sachen wa mal – sechs Euro fufzich die Stunde. Musste jetz nich so dolle gucken, dass die Schwester een paar Jahre jesundheitlich über die Runden kommt. Is een Jebrauchsartikel wie du und ich. Vielleicht kann Plus- oder Lidl-Online uns Schwestern ja ins Programm uffnehmen. Denn spart sich die Verwaltung noch ma fünfundzwanzich Zent pro Stunde. Oder so.
Wissen Se wat? Ick gloob, ick habs verstanden! Des is so een Ding mit de Jefühle. Die sind schon leicht mal verletzt. Aber hallo, sach ick da nur!
Ab jetz is Scheiße bei mir bestenfalls noch Stuhlgang, ne Windel eben ne IKM und wenn ick ne alte Oma ausm Sessel reiße, denn habe ick die Dame jerade mobilisiert. Jeht klar. Sie haben mir meene Meinung jründlich versalzen. Denn ick will ooch nich als Ware jehandelt werden. Da jefällt mir „Anjehender Jesundheits- und Krankenpflejer“ doch viel besser.
In diesem Zusammenhang darf ick schon bitten: „Aufgang zur Garderobe für Gesunheits- und Krankenpfleger/-innen“ is ja wohl det mindeste. Oder wenn es nich jar so umständlich sein soll: „Personal“. Meenetwejen. Aber diese ausjeschilderte Jefühlsverletzung muss jetzt weg!
Ick jrüße als jeläuterter Krankenpflejer!
Icke, der Alex

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