FTG - Feiertagsgesetz
Bayern, Land der Berge, Land der... naja.
Wochenende. Flohmarkt wär toll. Ich mein, selbst machen, weil Schrott ver-kaufen leuchtet mir irgendwie mehr ein, als Schrott ein-kaufen. Jeder, ich sag nur, jeder hat seine private Halde zuhause. Geschenke, die mal gekauft und nie nicht verschenkt wurden, Geschirr von der Oma, jetz nich das Porzellan, eher so die alten Töpfe oder das Alltagsgeschirr, das bisher niemand hat wegwerfen wollen. Dann sind da noch die alten Schier, die Bettwäsch, die eigentlich noch gut war, ach ja, und dann all die Mäntel, Hemden, Kleider, Schuhe, die seit ungefähr zehn Jahren nicht mehr an die Luft kamen. Aber man hat's ja nicht wissen können – zehn Jahre lang – ob man vielleicht irgendwann mal wieder Verwendung für das bunte Blumenkleidchen mit der Chiffon-Schleife finden würde.
Also wartet es immer noch auf Luft, drunten im Keller. Oder der alte Schaffellmantel, so was wirft man nicht weg in der Epoche der Tierschützer und Veganer. Wer wirft schon ganze Schafe einfach in den Müll, auch wenn sie schon alt und mottig sind.
Dann steht da noch das alte (Vollholz-!!!!) -Bett vom Sohn, die Barbie-Sammlung – Barbie ist ja heut noch aktuell, vielleicht wolln's die Enkel ja mal -, die H0-Eisenbahn, die schon seit zwei ganzen Generationen in der Familie ist und noch vieles, vieles mehr, was man bis jetzt eigentlich noch nie oder schon lang nicht mehr hat brauchen können.
Aber wegwerfen, ja spinnst denn du...?
Also Flohmarkt.
Problem: Bayern!
Warum? Wettervorhersage sagt dir Folgendes: Samstag Regen, Sonntag Sonne. Plima!, sagst du jetzt, also Sonntag!
Aber: Bayern. Da gibt es Gesetze, die gibt's sonst gar nicht. Das FTG. Das Feiertagsgesetz. Da darf man jetzt nicht einfach hingehen und für seinen alten Schrott Geld verlangen. Wäre ja noch schöner. Könnt ja jeder den Feiertag missbrauchen, um seinen Keller endlich zu räumen.
Daher Feiertagsgesetz. Macht Sinn. Aus Schrott mach Geld ist unchristlich. Auer-Dult, ja das schon, ist ja kein Schrott, aus dem da Geld, gutes Geld gemacht wird. Wirtschaft? Ich bitt dich, hast du schon einmal einen sonntäglichen Kirchgang ohne sonntägliche Wirtschaft erlebt? Kirche ohne Wirtschaft ist wie Bayern ohne Kirche. Verstehst? Nix möglich! Wo soll man denn am Sonntag auch hin, nachdem man sich die Knie am Kirchgestühl blutig gewetzt hat. Weiß man doch, dass nach der Pflicht auch mal Vergnügen kommt.
Aber eben nicht Flohmarkt oder ähnliche Geldschindereien. Weil: Es ist Bayern, es ist Sonntag, es ist der Tag des Herrn. Und jetzt guckst du: Bayern haben eben entschieden, dass der Herr zumindest an seinem ureignen Tag vor Schrott bewahrt werden muss. Schrott-sei-Dank!
Kein Flohmarkt. Flohmarkt macht man im Regen am Samstag. Zumindest in meinem Heimatland Bayern. Land der Berge, Land der... naja.
Der Chris

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