Hanf
Ich fand einen Artikel von Melanie Mühl in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Wer ist Melanie Mühl?
Nun, ich weiß es nicht. Zumindest so viel meine ich zu wissen: Ein weiblicher Mensch, eine JournalistIn, die die Welt nicht versteht. Zumindest versteht sie sie anders als ich. Und allein das macht sie doch schon zu einem recht suspekten Wesen, ist es nicht so?
Wer lesen will, was sie zu meiner Lieblingsserie verbrochen hat, der muss suchen. Google und so...
Wem das zu mühsam ist, dem möchte ich doch zumindest meine Mail an diese des Englischen wohl nicht mächtige Kritikerin zu Teil werden lassen.
Sehr geehrte Frau Mühl,
gerade habe ich die 15 Episoden der dritten Staffel von Weeds absorbiert. Wenn ich nicht eh schon Weeds-Junkie war, bin ich es spätestens zu diesem Zeitpunkt. Das bedeutet natürlich auch, dass ich wie jeder andere Fan nach dem Konsum nicht plötzlich ohne Gras leben kann. Ich brauche Ersatzdrogen, zumindest etwas, was mich in den nächsten Tagen am Leben erhält. Bei meiner Substitutions-Recherche stieß ich auf Ihren Artikel. Jedes Mittel ist mir recht, um mit meinen liebgewonnenen neuen Freunden in zumindest virtueller Verbindung zu bleiben, sei es, indem ich die deutsche Presselandschaft nach Kommentaren durchspüre.
Zu mir: Nie, nie war ich zuvor Fan – ich meine FAN - einer jener Serien, die seitens der intellektuellen Organe unserer Republik mit Applaus bedacht wurden, wie sonst nur Barbara Streisand bei einem ihrer wenigen "letzten" Konzerte.
Ja, "Desperate Housewives" hatte etwas. Eine Staffel lang. Dann wurde es einfach zu konstruiert, als dass ich an den kleinen Intrigen und großen Absurditäten noch Gefallen hätte finden können. Ja, "Sex and the City" war bisweilen drollig, Sarah Jessica Parker und ihre Genossinnen in style and habit ausgetüftelt schlagfertig und geistreich. Doch auch hier stellte sich bei mir nach einigen Folgen eine gewisse Form des Überdrusses ein. Ein Gähnen evozierender, bisweilen lähmender Überdruss, der selten durch eine kleine Lächel-Pointe noch durchbrochen werden konnte. Die Art von Überdruss, die amerikanische Ärsche so breit werden lässt. Man guckt halt, weil man immer schon guckt.
„Weeds“ hingegen ist wie ein gutes Buch. Aufschlagen, aufsaugen, weglegen. Und dann traurig sein. Traurig, weil die Protagonisten nun unwiderruflich ihr Buch-Leben – in diesem Fall: Episodenleben - gelebt, ihre Geschichten erzählt haben, und ich mich in meinem doch sehr gewöhnlichen Alltag wieder zurechtfinden muss.
An diesem Punkt angekommen lese ich also Ihren fast schon blasphemisch anmutenden Artikel, in dem sie apodiktisch vorhersehen, dass die kalifornischen Vorstadtladys den schicken Hausfrauen aus der Wisteria Lane wohl niemals das Wasser würden reichen können.
Dazu fällt mir einiges ein. Zunächst einmal Geschmack, über den sich bekanntlich nicht streiten lässt, dann, dass die Dialoge im Englischen geschrieben wurden und auch in dieser Sprache konsumiert werden sollten, weiterhin, dass die hysterischen Hausfrauen ihre Quoten erstaunlicherweise mit nur einer einzigen wirklichen Schauspielerin (Felicity Huffman) erspielt , was sag ich, er-schmierentheatert haben und, und, und...
Meine Weeds-Protagonisten sind alle, ich betone, alle exzellente Schauspieler, die eben das vermeiden, was ein Schauspieler tunlichst vermeiden sollte: Zu schauspielern. Man mag von amerikanischen Film- und Fernsehpreisen halten, was man will, doch hat jeder meiner Lieblinge den seinen verdient. Und die, die nominiert wurden und leer ausgingen, gingen eben deshalb leer aus, weil ihre Hanf-Kollegen in den Augen der Juroren noch ein Stück besser waren. Hallelujah.
Ich prahlte, ich könne ihre seltsame Vorhersage, die Steilvorlage der Hausfrauen sei zu steil für die Hänflinge, in vielen Punkten widerlegen. Kann ich, aber eines reicht um all diese Punkte in einem einzigen Statement zu subsumieren: Haha! *Betonung auf dem zweiten "ha"*
Sollte die dritte Staffel jemals den Weg in ein den Drive des englischen Originals vernichtendes deutsches Synchronstudio finden, bitte ich Sie, davon abzusehen, die Folgen an ihrer schlechten Übersetzung zu messen. Gute Dialoge, wirklich gute Dialoge, funktionieren nur in der Sprache, in der sie geschrieben wurden. Ich freue mich, Ihnen behilflich gewesen sein zu können.
Mit freundlichen Grüßen
Chris D.

Kommentare
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