Service
Ja, dem koreanischen Service muss hier ein Eintrag gewidmet werden.
Shopping! Ich nenne es Wiesel-Shopping.
Man denkt sich: Ach, wie nett, da guck ich mal rein. Egal, welche Art Geschaeft man betritt, man muss erst mal an den Wieseln vorbei. Mindestens viermal "Anyonghaseo!" (Guten Tag) bloeken, um sich dann einen Ueberblick ueber das Angebot zu verschaffen. Aber schon klebt einem ein Wiesel im Nacken. Ganz dicht. Und egal, welche Haken man schlaegt, das Wiesel bleibt immer dicht an einem dran.
Verlaesst man z. B. die untere Etage im Glauben, man koenne so das Wiesel loswerden, hat man sich geschnitten. Das Wiesel wieselt mit. Die Treppen hoch, rund um die Staender herum, wieder runter. Stellt man dem Wiesel eine Frage, ist es entsetzt. Englisch, O Gott!
Was tun? Ich. Laecheln. In jedem Fall.
Sehe ich aus, als spraeche ich Koreanisch?
Egal, welche Brocken Englisch ich den Wieseln zuwerfe, die Herausforderung wird stets zur Ueberforderung, weil ich anscheinend nicht korrekt prononziere. Die Frage"T-Shirt" erntet hilfloses Achselzucken. Ich probiere alle Varianten aus: Tee-Shait, Tiii-Schitt, Ti-Schoert, Tae-Schioert... Irgendwann artikuliert das Wiesel dann seine Variante des Wortes und wir sind endlich im Einklang. Fein. Aber eigentlich wollte ich das Wiesel loswerden...
Ich habe ja nix gegen guten Service. Aber bitte nicht immer mit Wiesel-Atem im Nacken. Bitte nicht. So kann doch kein normaler Mensch in Ruhe shoppen, gucken, anfassen und letztendlich eventuell kaufen. Die Wieselei macht mich völlig kirre. Die sollten doch merken, dass sie mir eh nicht helfen koennen. Lasst mich doch einfach doofer Touri sein, mehr will ich ja gar nicht...
Service, die Zweite.
Es ist 8 Uhr morgens und ich will nichts mehr als einen Kaffee. Staende mir der Sinn frueh morgens danach, koennte ich schon mit der ersten Schale vor sich hinsimmernder Fisch-Suppe die Sonne begruessen.
Suppe steht hier allzeit bereit, um von einem nach Kaffee lechzenden Touristen aufgesogen zu werden.
Aba ich will keine Fischsuppe! Nicht jetzt und nicht spaeter. Kaffee gibt es ab fruehestens 10 Uhr. Sagen die Schilder an den Tueren. Toll. Vielleicht doch ein Taesschen frische Fischsuppe zum Aufwachen?
Ach ja, automatische Tueren, ganz toll.
Gegen 11 Uhr habe ich es endlich zum zweiten Mal in die Stadt geschafft - immer noch keinen Kaffee im nuechternen Magen - und sehe das gelobte Land in Form eines Cafes mit echtem Espresso. So mit italienischer Maschine und so. Ach ja, Anmerkung am Rande: Kaffee trinkt man hier lieber instant. Lecker.
Ich gehe also hoch zur Tuer, im vorausschauenden Eilen erkenne ich die Worte "automatic door" und schreite weiter. Bis meine Nase an der Tuer klebt und ich fast auf die Strasse zuruecktaumele. Fast. Man muss den Knopf an der automatischen Tuer druecken, damit die automatische Tuer aufgeht.
Muss einem doch gesagt werden. Aber mein Autopilot funktioniert halt anders. Gepraegt durch die in Deutschland verbreiteten "Sensoren". Beim Hinausgehen, den Kaffee endlich in der Hand, tappe ich gleich noch einmal in die Falle. Diesmal ist mein Fuss meiner Nase einen Schritt vorraus. Gott sei Dank.
Toiletten. Ach ja, wie schoen.
Erst mal Lob: Alles schoen sauber, wirklich. Und immer - generell - klassische Musik beim Klogang.
Die erste Begegnung dieser Art hatte ich in Gwangju. Straussens Donauwalzer untermalte das Geschaeft der Geschaefte. In Busan dann Bach. Auch schoen. Entspannt die Schliessmuskeln, oder so...
Ach und dann das Getuemmel drumrum. Teenagergruppen vor dem Spiegel, das obligatorische "Hello!"-"Where are you from?"-"Ah, Duitschland, gooooooood!"-Spiel hinter mich bringend, suche ich nach Toilettenpapier. Manchmal findet man es da, wo es hingehoert, auf den Toilletten. Aber ich habe gelernt: Manchmal eben nicht.
Nicht vergessen am Haupt-Toilettenpapier-Spender genuegend Zellstoff zu hamstern, bevor man sich in einer Kabine niederlaesst! Nicht vergessen, sonst kommt man hier in Teufels... Abort. Hat man nicht genug gehamstert, hat man Pech. Kommt einem diese Erkenntnis, ist es zu schon zu spaet. Also lieber ganz viel Einlagiges abrollern. Aber hier, in der U-Bahn-Station kein Spender. Die Jugendlichen haben sich verkruemelt, ich suche immer noch. Muss doch irgendwo sein. Wie sonst soll man sich den A... abtupfen. Oder machen die das hier mit der Hand? Ich verlasse die Toilette und sehe, was ich wohl uebersehen habe. Die "Toilet-Paper-Vending-Machine". Auf nichts kann man sich hier verlassen. Ich lerne stuendlich neu. Seufz. Nun. Ich habe kein Papier gekauft. Musste eh nicht so dringend. Dafuer kann ich beim Hinausgehen noch einen Blick auf die dritten Zaehne werfen, die ein altes Maennlein seelig am Waschbecken spuelt.
Was noch.
Nach der Ankunft frage ich in der "Tourist-Information", wie man hier eine Karte fuers Handy erwerben kann. Ratlosigkeit. Die Dame faengt an, ganz Korea mittels Telefon um Rat zu fragen. Ich winke schon dankend ab, sie gibt mir die Telefonnummer des Laedchens, und bittet mich, spaeter noch einmal anzurufen.
Zwei Tage spaeter, ich brauche mal wieder den Beistand der Damen von der "Tourist-Information", ruft mir die freundliche junge Asiatin in hohen Toenen entgegen: "Ah, aiiiii rimaemba juuu. Juu aaaarrrrr Dschoemen. You didn't call."
Stimmt, denke ich.
Nun, eine Service-Wueste ist das hier bestimmt nicht.
Ich habs lieber deutsch. Niemand kuemmert sich um einen, alle vergessen alles, Auskunft wird nur unter Androhung eines Gerichtsprozesses gegeben. So mag und kenn ich Service...
Guckst du!
"Anyong hii kjaej seou!" Auf Wiedersehen in Korea!
Shopping! Ich nenne es Wiesel-Shopping.
Man denkt sich: Ach, wie nett, da guck ich mal rein. Egal, welche Art Geschaeft man betritt, man muss erst mal an den Wieseln vorbei. Mindestens viermal "Anyonghaseo!" (Guten Tag) bloeken, um sich dann einen Ueberblick ueber das Angebot zu verschaffen. Aber schon klebt einem ein Wiesel im Nacken. Ganz dicht. Und egal, welche Haken man schlaegt, das Wiesel bleibt immer dicht an einem dran.
Verlaesst man z. B. die untere Etage im Glauben, man koenne so das Wiesel loswerden, hat man sich geschnitten. Das Wiesel wieselt mit. Die Treppen hoch, rund um die Staender herum, wieder runter. Stellt man dem Wiesel eine Frage, ist es entsetzt. Englisch, O Gott!
Was tun? Ich. Laecheln. In jedem Fall.
Sehe ich aus, als spraeche ich Koreanisch?
Egal, welche Brocken Englisch ich den Wieseln zuwerfe, die Herausforderung wird stets zur Ueberforderung, weil ich anscheinend nicht korrekt prononziere. Die Frage"T-Shirt" erntet hilfloses Achselzucken. Ich probiere alle Varianten aus: Tee-Shait, Tiii-Schitt, Ti-Schoert, Tae-Schioert... Irgendwann artikuliert das Wiesel dann seine Variante des Wortes und wir sind endlich im Einklang. Fein. Aber eigentlich wollte ich das Wiesel loswerden...
Ich habe ja nix gegen guten Service. Aber bitte nicht immer mit Wiesel-Atem im Nacken. Bitte nicht. So kann doch kein normaler Mensch in Ruhe shoppen, gucken, anfassen und letztendlich eventuell kaufen. Die Wieselei macht mich völlig kirre. Die sollten doch merken, dass sie mir eh nicht helfen koennen. Lasst mich doch einfach doofer Touri sein, mehr will ich ja gar nicht...
Service, die Zweite.
Es ist 8 Uhr morgens und ich will nichts mehr als einen Kaffee. Staende mir der Sinn frueh morgens danach, koennte ich schon mit der ersten Schale vor sich hinsimmernder Fisch-Suppe die Sonne begruessen.
Suppe steht hier allzeit bereit, um von einem nach Kaffee lechzenden Touristen aufgesogen zu werden.
Aba ich will keine Fischsuppe! Nicht jetzt und nicht spaeter. Kaffee gibt es ab fruehestens 10 Uhr. Sagen die Schilder an den Tueren. Toll. Vielleicht doch ein Taesschen frische Fischsuppe zum Aufwachen?
Ach ja, automatische Tueren, ganz toll.
Gegen 11 Uhr habe ich es endlich zum zweiten Mal in die Stadt geschafft - immer noch keinen Kaffee im nuechternen Magen - und sehe das gelobte Land in Form eines Cafes mit echtem Espresso. So mit italienischer Maschine und so. Ach ja, Anmerkung am Rande: Kaffee trinkt man hier lieber instant. Lecker.
Ich gehe also hoch zur Tuer, im vorausschauenden Eilen erkenne ich die Worte "automatic door" und schreite weiter. Bis meine Nase an der Tuer klebt und ich fast auf die Strasse zuruecktaumele. Fast. Man muss den Knopf an der automatischen Tuer druecken, damit die automatische Tuer aufgeht.
Muss einem doch gesagt werden. Aber mein Autopilot funktioniert halt anders. Gepraegt durch die in Deutschland verbreiteten "Sensoren". Beim Hinausgehen, den Kaffee endlich in der Hand, tappe ich gleich noch einmal in die Falle. Diesmal ist mein Fuss meiner Nase einen Schritt vorraus. Gott sei Dank.
Toiletten. Ach ja, wie schoen.
Erst mal Lob: Alles schoen sauber, wirklich. Und immer - generell - klassische Musik beim Klogang.
Die erste Begegnung dieser Art hatte ich in Gwangju. Straussens Donauwalzer untermalte das Geschaeft der Geschaefte. In Busan dann Bach. Auch schoen. Entspannt die Schliessmuskeln, oder so...
Ach und dann das Getuemmel drumrum. Teenagergruppen vor dem Spiegel, das obligatorische "Hello!"-"Where are you from?"-"Ah, Duitschland, gooooooood!"-Spiel hinter mich bringend, suche ich nach Toilettenpapier. Manchmal findet man es da, wo es hingehoert, auf den Toilletten. Aber ich habe gelernt: Manchmal eben nicht.
Nicht vergessen am Haupt-Toilettenpapier-Spender genuegend Zellstoff zu hamstern, bevor man sich in einer Kabine niederlaesst! Nicht vergessen, sonst kommt man hier in Teufels... Abort. Hat man nicht genug gehamstert, hat man Pech. Kommt einem diese Erkenntnis, ist es zu schon zu spaet. Also lieber ganz viel Einlagiges abrollern. Aber hier, in der U-Bahn-Station kein Spender. Die Jugendlichen haben sich verkruemelt, ich suche immer noch. Muss doch irgendwo sein. Wie sonst soll man sich den A... abtupfen. Oder machen die das hier mit der Hand? Ich verlasse die Toilette und sehe, was ich wohl uebersehen habe. Die "Toilet-Paper-Vending-Machine". Auf nichts kann man sich hier verlassen. Ich lerne stuendlich neu. Seufz. Nun. Ich habe kein Papier gekauft. Musste eh nicht so dringend. Dafuer kann ich beim Hinausgehen noch einen Blick auf die dritten Zaehne werfen, die ein altes Maennlein seelig am Waschbecken spuelt.
Was noch.
Nach der Ankunft frage ich in der "Tourist-Information", wie man hier eine Karte fuers Handy erwerben kann. Ratlosigkeit. Die Dame faengt an, ganz Korea mittels Telefon um Rat zu fragen. Ich winke schon dankend ab, sie gibt mir die Telefonnummer des Laedchens, und bittet mich, spaeter noch einmal anzurufen.
Zwei Tage spaeter, ich brauche mal wieder den Beistand der Damen von der "Tourist-Information", ruft mir die freundliche junge Asiatin in hohen Toenen entgegen: "Ah, aiiiii rimaemba juuu. Juu aaaarrrrr Dschoemen. You didn't call."
Stimmt, denke ich.
Nun, eine Service-Wueste ist das hier bestimmt nicht.
Ich habs lieber deutsch. Niemand kuemmert sich um einen, alle vergessen alles, Auskunft wird nur unter Androhung eines Gerichtsprozesses gegeben. So mag und kenn ich Service...
Guckst du!
"Anyong hii kjaej seou!" Auf Wiedersehen in Korea!
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