Wirr
Mein letzter Eintrag war vielleicht etwas wirr. Kann nur wirrer werden.
Dies wird ein Fluch-Blog.
Zurück zur Schifffahrt. Gemütliches Treiben-Lassen auf dem Jangtse. Von wegen.
Vorweg ist zu sagen, dass mir chinesische Touristen lieber sind als Deutsche. Für einen Individualreisenden wie mich, der nichts mehr als pauschale Landausflüge hasst, dennoch der Horror. Vor jedem Ausflug wurde ich aus dem Bett geklopft. Ich sagte immer: "I know, I’m coming, it’s okay!"
Nach vier Tagen Schiff bin ich jetzt so entnervt, und zudem so krank, dass ich mich zwei Tage lang mit den Tierchen in meinem Zimmer einschließen möchte. Die halten wenigstens ihre Klappe.
Dennoch:
Essen, noch so eine Sauerei hier. Auf dem Tisch liegen dünne Plastiktischdecken.
Ich habe sie satt, mit ihrem Herumgespucke, ihrem Abgezocke, ihrer Lärmerei, ihren sagenhaft beschissenen Tischsitten, ihren mit Diarrhö versehrten Klos, ihren Sondertarifen, ihren versteckten Aufschlägen, ihrem Gebrüll, ihren boshaften Rempeleien, ihrer Torschlusspanik. Es geht mir im Moment so was von auf den Sack.
Bin nach einer fünfstündigen Busfahrt, die drei Stunden hätte dauern sollen, endlich am Ziel in Wuhan angekommen. Habe ein siffiges Zimmer bezogen, aus dem sich bei meinem Eintreten viele kleine Tierchen in die Ecken oder unters Bett empfahlen.
Als ich das Zimmer oberflächlich besah, entschied ich, müde wie ich war, mich nach all dieser Reiserei dennoch niederzulassen. Zumal ich eine fette Grippe habe, und mir der Kopf sonstwo steht. Ja, Antibiotika nehme ich schon seit vier Tagen, seit ich anfing, grün-gelbes Sputum zu rotzen. So weit, so schlecht.
Zurück zur Schifffahrt. Gemütliches Treiben-Lassen auf dem Jangtse. Von wegen.
Vorweg ist zu sagen, dass mir chinesische Touristen lieber sind als Deutsche. Für einen Individualreisenden wie mich, der nichts mehr als pauschale Landausflüge hasst, dennoch der Horror. Vor jedem Ausflug wurde ich aus dem Bett geklopft. Ich sagte immer: "I know, I’m coming, it’s okay!"
Die Lande-Zeiten zu den Ausflügen hatte ich nach der ersten Klopf-Attacke auswendig gelernt. Der/die Klopfende hatte sich dieses Mal aber derart in seine/ihre Tätigkeit verbissen, dass ich beim dritten Mal anfing zu schreien.
In etwa "No is no!!!"
Ich saß auf dem Klo und die Klopferei hörte nicht auf. Nach meinem Schrei ward Stille. Endlich. Wen mein Zorn getroffen hat, weiß ich nicht.
Auf die Klopferei folgt der grosse Aufbruch. Immer zu früh. Wichtig ist, dass sich alle die Treppen hinunter stauen, um dort dann mindestens eine halbe Stunde in der stickigen Luft zu verharren und sich den Kopf auf engem Raum zu stossen. Jedes Mal das gleiche Spiel.
Legt das Schiff dann endlich an, geht die Drängelei los. Das Flucht-nach-vorne-Gedränge ist zu vergleichen mit einer Havarie auf europäischen Schiffen. Alle versuchen panisch, an Land zu kommen, nur um dort dann wieder zu warten.
Auf den Bus, auf ein kleineres Boot, auf den Reiseleiter, auf was auch immer.
Warten ist hier en vogue. Und ebenso ist es Mode, bei jeder Gelegenheit nach dem Warten loszustürmen, als ginge es um Tod oder Leben. Ich pflege wie ein angeglühtes Stück Kohle vor Ärger zu rauchen, immer wieder. Unvermittelt heisst es: "Fast, fast!" oder "Kuai dianr!" ("Ein wenig schneller!")
Zuerst Schimmel ansetzen, dann in die Riemen steigen, fertig, los und gaaaaaanz schnell.
Hatte ich schon erwähnt, dass ich selbst den Ellbögen der kleinen Mütterchen unterlegen bin? Kein Pardon. Ich lasse in meiner Höflichkeit manchmal jemanden vor, der gar so arg drängelt, so unter dem Motto: "Man muss ja nicht gleich schubsen, an Land kommen wir doch alle." Dies hat dann zur Folge, dass sich weitere vier Heinis oder Heininen vor mich drängeln. Es war und ist zum Verzweifeln.
Heute, beim letzten Landgang sind sie dann vollends ausgeflippt. Sie schubsten derart, dass ein oder zwei Mal fast jemand vom Landesteg gepurzelt wäre. Bei Landgang sicherheitshalber Schwimmwesten anlegen!
Und das ist nicht nur auf diesem Boot so. Im Bus. In der U-Bahn, am Schalter... Überall, wo es die Möglichkeit gibt, zu drängeln, fühlt man sich ermuntert, den Ellbogen auszufahren.
Und das ist nicht nur auf diesem Boot so. Im Bus. In der U-Bahn, am Schalter... Überall, wo es die Möglichkeit gibt, zu drängeln, fühlt man sich ermuntert, den Ellbogen auszufahren.
Was für ein Problem haben die eigentlich, diese Spinner?
Die Landausflüge waren sehr erbauend. Vom Schiff aus ging’s zu verschiedenen Tageszielen. Wieder massig Gelegenheit, zu drängeln. Und das immer mit Gebrüll und Geschrei. Dann sitzt man zum Beispiel im Bus und wird die ganze Strecke lang von einer quietschend schrillen Hostessen-Stimme beschallt. Sie blökt in ein Kindermegaphon, das die Stimme so richtig schauerlich er-scheppern lässt. Ist man am Ziel angekommen, hat man kaum Zeit, die Sehenswürdigkeiten zu schauen. Denn die Rückfahrt steht ja an. Macht das Sinn?
Die Landausflüge waren sehr erbauend. Vom Schiff aus ging’s zu verschiedenen Tageszielen. Wieder massig Gelegenheit, zu drängeln. Und das immer mit Gebrüll und Geschrei. Dann sitzt man zum Beispiel im Bus und wird die ganze Strecke lang von einer quietschend schrillen Hostessen-Stimme beschallt. Sie blökt in ein Kindermegaphon, das die Stimme so richtig schauerlich er-scheppern lässt. Ist man am Ziel angekommen, hat man kaum Zeit, die Sehenswürdigkeiten zu schauen. Denn die Rückfahrt steht ja an. Macht das Sinn?
Nach vier Tagen Schiff bin ich jetzt so entnervt, und zudem so krank, dass ich mich zwei Tage lang mit den Tierchen in meinem Zimmer einschließen möchte. Die halten wenigstens ihre Klappe.
Dennoch:
Insgesamt ein sehr nettes, hilfsbereites Volk, muss ich ja sagen.
Grob oder unhöflich sind in der Regel nur die, die was zu sagen haben, oder meinen, etwas zu sagen zu haben.
Reiseleiter, Torsteher, Busfahrer. Die unteren Oberen halt. Die sind so was von giftig und dreist, da fällt einem nix mehr dazu ein…
Heute wurde ich im Bus aus dem Nichts angeblökt, ich solle - wieder mal schnell-schnell, nachdem ich Stunden auf weitere Fahrgäste gewartet hatte, meinen Koffer woanders verstauen.
Heute wurde ich im Bus aus dem Nichts angeblökt, ich solle - wieder mal schnell-schnell, nachdem ich Stunden auf weitere Fahrgäste gewartet hatte, meinen Koffer woanders verstauen.
Ich hatte mich schon gewundert, warum ich den Koffer nicht einfach dahin packen konnte, wo er hingehört. In den Stauraum.
Nein, wir wurden instruiert, die Koffer mit in den Bus zu nehmen. Nur, nachdem alle Fahrgäste da waren, der Bus also komplett voll, war kein Platz mehr für das Gepäck.
Brüllt mich doch diese Ziefer von Reiseleiterin an, ich solle mich bewegen. Dies entnahm ich der Lautstärke ihrer Stimme und ihrem aggressiven Gebaren. Immer dasselbe Muster: Zuerst stundenlang warten, dann schnell-schnell, Arsch hoch, es brennt. Ich deutete ihr ruhig, sie solle erst mal etwas runterkommen.
Wollte nicht. Sie geiferte weiter. Also rastete ICH mal wieder aus. Aber Holla die Waldfee. Ich habe geschrien wie am Spieß. Habe dann irgendwann angefangen wie ein Irrer mit der flachen Hand auf den Busboden zu klopfen, und ihr somit zu deuten, dass die Koffer im Bus eh nix verloren hätten.
Stauraum! Unter uns! Für Koffer! Normalerweise...
Sie brüllte weiter. Spontan verlegte ich mich darauf, ihre Stimme nachzuahmen. Dieses Schrille, Geifernde, Laute, Drängende.
Stauraum! Unter uns! Für Koffer! Normalerweise...
Sie brüllte weiter. Spontan verlegte ich mich darauf, ihre Stimme nachzuahmen. Dieses Schrille, Geifernde, Laute, Drängende.
Und plötzlich hielt sich der ganze Bus den Bauch vor Lachen. So konnte der augenscheinlich bekloppte Deutsche wenigstens etwas zur allgemeinen Erheiterung beitragen.
Und, man staune und gucke, die Reiseleiterin musste auch lachen. Ganz kurz.
Und, man staune und gucke, die Reiseleiterin musste auch lachen. Ganz kurz.
Nach dem Wortgemenge durfte ich meinen Koffer tatsächlich in den Stauraum räumen.
Nach einer halben Stunde Fahrt hielten wir. Ich dachte mir nix. Die halten immer mal so, ohne dass man weiß, warum oder wie lang. Und dann wurde mir klar, warum das mit dem Stauraum so ein Problem war: Säcke wurden eingeladen, und zwar so viele, dass die Klappe zum Laderaum nur noch mit heftigen Tritten seitens des Busfahrers zu schließen war.
Die hamse doch nicht mehr alle. Da wollen die, dass wir in einem voll bepackten Bus auch noch die Koffer auf uns stapeln, nur damit sie 'nen Silo voll Kartoffelsäcke transportieren können.
Aber irgendwie hatte außer mir niemand was einzuwenden. Überhaupt muckst sich hier selten jemand. Hätte ich ein wenig Chinesisch drauf, hätt' ich eine Fahrgast-Revolte angezettelt. Aber meinem Koffer ging’s ja inzwischen gut, so zwischen all den Säcken.
Aber irgendwie hatte außer mir niemand was einzuwenden. Überhaupt muckst sich hier selten jemand. Hätte ich ein wenig Chinesisch drauf, hätt' ich eine Fahrgast-Revolte angezettelt. Aber meinem Koffer ging’s ja inzwischen gut, so zwischen all den Säcken.
Mann, ich hab sie dick, diese Chinesen!
Wie oft ich hier in den emotionalen Ausnahmezustand getrieben werde...
Wie oft ich hier in den emotionalen Ausnahmezustand getrieben werde...
Ein weiterer Landausflug stand an. Und ich hatte keine Lust auf einen weiteren Tempel für Geld. Dennoch wollte ich an Land und mir die Beine vertreten. Man sagte mir schon auf dem Weg aufs Dock, dass diejenigen, die nicht gezahlt hätten, nicht mal an Land könnten. Aha.
Ich bekam einen kurzen Anfall von Klaustrophobie und entschied: Ich zahle, und zwar nur, um an Land zu gehen. Waren diese kurzen Ausflüge fern der Truppe für mich doch die einzige Möglichkeit, dem chinesischen Tohuwabohu und der Enge an Bord mal für eine Stunde zu entrinnen.
Ich ging also ans Tor und streckte dem Torsteher - ja, die hatten auf dem Kai ein Gitter verbaut - einen Hunni entgegen. 10 Yuan mehr, als der Ausflug gekostet hätte. Nur, um an Land zu kommen, wohlgemerkt. Der magere Gitter-Steher schüttelte nur den Kopf und sagte grunzend: "Ticket!!" Ich drängte weiter darauf, mich durchzulassen, klopfte gegen das Tor.
Ich bekam einen kurzen Anfall von Klaustrophobie und entschied: Ich zahle, und zwar nur, um an Land zu gehen. Waren diese kurzen Ausflüge fern der Truppe für mich doch die einzige Möglichkeit, dem chinesischen Tohuwabohu und der Enge an Bord mal für eine Stunde zu entrinnen.
Ich ging also ans Tor und streckte dem Torsteher - ja, die hatten auf dem Kai ein Gitter verbaut - einen Hunni entgegen. 10 Yuan mehr, als der Ausflug gekostet hätte. Nur, um an Land zu kommen, wohlgemerkt. Der magere Gitter-Steher schüttelte nur den Kopf und sagte grunzend: "Ticket!!" Ich drängte weiter darauf, mich durchzulassen, klopfte gegen das Tor.
Er schob den Riegel von Außen vor.
Hallelujah, bin ich ausgerastet. Ich habe den ganzen Kai zusammengebrüllt.
Scheiß Kommunisten! Meinen wohl, sie könnten jedem Touri die Freiheit rauben. Ja wo bin ich denn? In der Klapse? Im sibirischen Straflager? Ich werde doch noch selbst entscheiden können, wann und wo ich mich von Bord begebe.
Ich habe so geschrien, dass Reiseleiterinnen und anderes Bodenpersonal mit fliegenden Fahnen angerannt kamen, um den irren Deutschen zu beruhigen.
Inzwischen hatte ich dem Dreckskerl das Geld ins Gesicht geschleudert und konnte meine Stimmbänder gar nicht mehr lockern. Er war in der besseren Position, sprich draußen.
Inzwischen hatte ich dem Dreckskerl das Geld ins Gesicht geschleudert und konnte meine Stimmbänder gar nicht mehr lockern. Er war in der besseren Position, sprich draußen.
Ich hätte ihm am liebsten jeden Zahn einzeln ausgerissen, diesem Möchtegern-Mao, so wütend war ich.
Ich wurde dann doch noch - des lieben Frieden willens - an Land gelassen und war eine halbe Stunde noch so außer mir, dass ich am liebsten ganz China in den Boden gestampft hätte.
Ich bin also jetzt nicht nur krank, sondern auch völlig erschöpft. Meine Nase läuft, meine Ohren sind beschlagen, ich habe Kopfweh, Stirnhöhlen sind voll und ich hasse China!
Essen, noch so eine Sauerei hier. Auf dem Tisch liegen dünne Plastiktischdecken.
Warum? Nicht, weil das dann hygienischer ist. Sondern, weil man dann die Essensreste nach Lust und Laune quer über den Tisch pusten kann. Bevor sich dann die nächste Runde setzt wird die Schicht Zellophan mit den gesammelten Essensresten einfach eingefahren. So ist das. Und um und unter dem Tisch sieht's aus wie bei Schweins.
Internet-Cafe. Ich frage nach einem Aschenbecher. Ja, rauchen ist hier noch fast überall erlaubt. Und bei den Rauchwaren, die sie hier quarzen, steht einem Brutto-normal-Raucher die Lunge still. Irgendwas mit 15 mg Teer. Gitanes und Rothändle sind Leichte Milde dagegen. Da tut selbst die stärkste Lunge ihren letzten Huster.
Also, wo war ich stehen geblieben. Frage nach Aschenbecher.
Die junge Dame am Tresen guckt mich verdutzt an und deutet auf den Boden. Wieso kleine Aschenbecher putzen, wenns 'nen großen gibt? Oder?
Ich geh jetzt ins Bett. Ich schlafe meinen Urlaub durch. Und wenn ich nicht gestorben bin, dann bin ich umringt von vielen kleinen munteren Gesellen, die genüsslich an meinen Zehen nagen.
Ich geh jetzt ins Bett. Ich schlafe meinen Urlaub durch. Und wenn ich nicht gestorben bin, dann bin ich umringt von vielen kleinen munteren Gesellen, die genüsslich an meinen Zehen nagen.
Guckst du.
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