Wunder ueber Wunder

Es scheint gar so, als haette die Internet-Verbindung des Dorfes die Einstellug meines ersten Blogs von der Ankunft in Li Keng nicht zugelassen. Also ein zweiter Versuch. Muss dann natuerlich vor dem Eintrag "Big Li Keng" gelesen werden.
Es scheint gar so, als koennte ich loslegen. Ich habe eine Tastatur unter den Fingern und eine Verbindung ins Netz.

Wo bin ich. Ich weiss es selbst nicht genau. In den Bergen. In China. Ich weiss, dass es hier viele Doerfer gibt, die fuer den chinesischen Tourismus die Sightseeing-Sensation sind. Fuer jeden Ort muss man Eintritt bezahlen. Ueberall, in jedem Dorf, finden sich Studenten, die die malerischen Bruecken oder einfach die Landschaft zeichnen. Es ist unbeschreiblich schoen hier.
Wie kam ich hierher. Am Busbahnhof war ich noch nicht mal ausgestiegen, da wurde ich schon von fuenf Motorrad-Fahrern an der Tuer abgefangen. Wieso? Ein Weisser verirrt sich nur hierher, wenn auch er die malerischen Doerfer sehen will. Also muss der Tourist gleich eingefangen und irgendwo hingebracht werden. Fuer einen Moment war ich stoerrisch. Hatte keine Lust schon wieder durch die Gegend gefuehrt oder gefahren zu werden, ohne zu wissen, wo ich bin oder wie die Ortschaften heissen. Einer der Fahrer gefiel mir aber. Hatte so ein verschmitztes Laecheln. Nett anzusehen. Alter? Schwer schaetzbar. So Mitte Dreissig? Egal. Ich habe mich in mein Schicksal gefuegt. Gut wars. Manchmal muss man das tun, was andere fuer gegeben halten, auch wenn man gerne selbstaendig ist und seine Wege lieber alleine findet.
Kurz und gut: Ich sass mit meinem Gepaeck auf dem Motorrad und wurde durch die unglaublichste Landschaft chauffiert. Taeler, Reisfelder, Bambushaine, Fluesse, alte Doerfer, ueberall die Bauern auf den Feldern. Reisernte. Jedes Bueschel wird mit einer kleinen Sichel einzeln geschnitten, dann die Stoppel verbrannt, um dem Boden etwas Fruchtbarkeit zurueckzugeben.
Die Doerfer hier sind unglaublich. Malerisch bis zum Geht-nicht-Paradiesischer. Alte Haeuser mit kleinen Innenhoefen, in die das Licht tropft. Rundherum, um den Lichthof, Schnitzereien. Legenden, Geschichten, Buddhistisches, fein in das Holz ziseliert.
Fuer einen Menschen allein ist das alles zu viel auf einmal. Mein Fahrer und Fuehrer hat an jedem schoenen Ort halt gemacht, ist mit mir durch die Doerfer gegangen, um mich auf Sehenswertes aufmerksam zu machen. Ich habe heute so viel gesehen und so viele Eindruecke gesammelt, dass es fuer ein ganzes weiteres Leben reicht. Ich wuenschte manchmal, ich koennte die Zeit anhalten. All das geht viel zu schnell. So schnell kann ich gar nicht verdauen, wie hier eine Schoenheit der anderen folgt. Egal ob architektonisch, kunsthandwerklich oder landschaftlich. Meine Augen sind wund. Und meinen Gefaehrten habe ich waehrend der ersten Stunden richtig lieb gewonnen. Er hat wirklich ueberall gehalten. Ich musste dann allerdings immer wenigstens ein Foto machen.
Und dann wurde ich in irgendeinem Bergdorf abgeladen bei Verwandten des Motorradfahrers, wo ich in einem kleinen Zimmerchen bleiben kann.
Mein Fuehrer wollte mich gleich morgen wieder abholen und weiter durch die Landschaft kutschieren.
Langsam, langsam. Ich muss nicht die ganze Welt in einem Tag erkunden. Ich brauche Zeit. Ich bin sowas von kein Tagestourist. Ich will sehen und fuehlen. Die Reisfelder, die Erde anfassen. Das Wasser tasten. Erfahren. Nicht nur sehen, im Vorbeifliegen. Dafuer ist das alles viel zu wertvoll. So viel Kunstschaetze, so viel Geschichte. Und all das kommt ganz einfach, ganz selbstverstaendlich daher. Als waere diese Schoenheit gegeben. Dabei steckt in jeder kleinen Schnitzerei, in jedem beackerten Feld so viel Arbeit.
Jetzt bin ich endlich angekommen. In China. In der Mitte. Dort, wo ich immer schon hinwollte.

Und eines der Wunder: Hier, in einer kleinen Bar steht ein PC. Links von mir sitzt ein Baby in einem Kinderstuhl und macht Krach mit einer Blechschuessel. Draussen, direkt vor der Tuer der "Bar" sitzen Studenten auf einer Bruecke und malen. Noch weiter links von mir neben dem Baby ist eine Theke, wo Selbstgebranntes ausgeschenkt wird. Kann man auch mitnehmen. In Bambusrohren. Aaaaaaaachhhhh. Ich werd nicht mehr. Natuerlich werde ich hier dauernd gegruesst oder gefragt, woher ich komme. Und Fotos werden geschossen, natuerlich, mit dem verirrten Blonden. Stranger in the 40s, der ich bin.
Ist das schoen. Ich trinke jetzt mein Schnaepschen und fuehle mich weiter wie in einer anderen Welt. Dabei ist es doch dieselbe. Glauben kann ich das aber nicht.









Gruppe von Malenden im Regen

Brücke


Kommentare

Anonym hat gesagt…
wir haben dich gefunden!!!! ich glaube ja schon, dass du zurück kommst. die anderen nicht. andere welt ja, aber um diese zu verstehen musst du noch länger bleiben. schnupperkurs!
jetzt rufen wir dich, vermissen dich. komm zurück!
a+c+d

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