Leckt mich, Ihr Schlitzaugen...
So, ich habe mich heute mal wieder unendlich geaergert.
Nach 8 Stunden Busfahrt, die mit 5 veranschlagt waren, fuer eine Distanz von sage und schreibe rund 400 km, kam ich in der Dunkelheit an meinem Ziel in Ningbo an.
Ein China-Reisetag, ist ein Kein-China-Tag. Ich weiss das, glaube auch nicht mehr an die vorgeschlagenen Fahrtzeiten, bin aber dann doch irgendwie schlecht gelaunt, wenn's gar so viel mehr wird. Warum, du dummer Touri, gewoehn dich endlich an die Sitten dieses weiten Landes!
Hatte ich schon von diesem Langsam-Schnell-Spiel erzaehlt. Sicher. Heute hat es mir wieder mal den letzten Nerv gekostet. Zuerst rummelt der Bus traege los, schramm-schramm, zwischendurch werden mal wieder die ueblichen Waren - wohl ein Nebenverdienst des Fahrers - ein und an anderer Stelle wieder ausgeladen, Zeit vergeht, man darf mal pinkeln - is ja auch schoen - und dann kommt nach Stunden endlich die unversprochene Pause.
Da heisst es dann ploetzlich: "Essen, essen!"
Soll meinen: Vergiss das Pinkeln und die Zigarette, nimm die Beine in die Hand und stuerme die Raststaette, wir haben keine Zeit! Das mit dem "Essen, essen!" wird mir dann beim Pinkeln, beim Rauchen, beim Rast-Versuch immer wieder zugerufen. Von Mitfahrenden.
Die hamse doch nich mehr alle. Wat soll das? Wuerden se an anderer Stelle nicht so viel Zeit vertuedeln, dann koennt ich wenigstens in Ruhe pinkeln und ne Nuddelsuppe essen, nach vier Stunden Fahrt.
Klo gibts an Bord natuerlich nicht. Wieso auch. Chinesen-Blasen halten besser.
Ich sachs Euch mal unter vorgehaltener Hand, aber nicht weitererzaehlen: Bei meinem letzten Tripp hatte ich die Faxen dicke und habe einfach waehrend der Fahrt in eine Flasche gepinkelt. Hatte mir schon in Korea ueberlegt, ob die wohl alle so einen Urin-Katheter mit Beinbeutel an sich haben.
Ja spinn ich denn. Ich werd hier doch nicht bis zum Exitus meine Beckenbodenmuskulatur quälen!
Und denn auch noch "schnell-schnell", wenn endlich das gelobte Land in Form eines oeffentlichen Aborts angesteuert wird.
Nun, das mit der Flasche ging diesmal nicht. Bus zu voll, Aktion dann mehr als peinlich. Selbst mir.
So, also angekommen in Ningbo, nach 8, ich schreibe aus, acht Stunden.
Sauer. Verstimmt. Hotel schon online gebucht, weil ich einfach nur ankommen und nicht gleich wieder suchen wollte.
Angekommen will ich erst mal - na, was denn wohl - pinkeln und rauchen.
Geht nicht.
Die uebliche Meute faellt ueber mich her, sobald die Schranke am Busbahnhof hinter mir faellt. Wollen mich wohinfahren, mich uebernachten und und und... Kleben an mir wie Sushi-Reis. Ich kotze.
Ich bin barsch. Hilft nix. Ich will rauchen, in Frieden, das habe ich mir nach diesem Tripp verdient. Ich will pinkeln, ohne Kleb-Reis am Rockzipfel. Verdammt noch mal. Ich wimmle das Volk ab, will 'ne Schachtel Zigaretten kaufen. Naechste Enttaeuschung. Kaum hat man sich an eine Sorte dieses Teufelszeugs gewoehnt - Rot-Haendle-Ketten-Rauchern bleibt dabei die Luft weg, ich berichtete - da ist man in einer anderen Provinz, wo es erst mal wieder einer neuen Brochio-asthmatischen-selbst-Testreihe bedarf, um die Marke zu finden, die einem nicht gleich die Spucke im Halse gerinnen laesst.
Ich will MEINE Marke! Zapperlot! Meine Nerven.
Kaum geh ich von dem Laden weg, ohne Zigaretten, eine habe ich noch, klebt's wieder von hinten. Ich verschwinde um die Ecke, will in Ruhe meine letzte Gute rauchen.
Es schuettet, hatte ich das erwaehnt?
Ich bin nass und stocksauer. Ich zuende gerade meinen letzten guten Freund, da kommt ein Mann des Aufreisser-Trosses um die Ecke gebogen und versucht noch einmal sein Glueck bei mir. Bin kurz davor einem ahnungslosen Chinesen die Scheiss-Fresse so zu stopfen, dass er sich den Rest seines Lebens den Reis von hinten einschieben muss.
LASST MICH EINMAL IN FRIEDEN WO ANKOMMEN. ICH WILL EINFACH NUR ANKOMMEN. Argh!
Jetzt Klo. Hetze durch den ganzen Komplex - ganz schoen grosser Busbahnhof in Ningbo - und suche nach dem Ort der Erleichterung. Finde nicht. Schweissausbruch. Ich frage am Ticketschalter: "WC, toilet, dubbleyoucee...?"
Hey, nicht lachen, das hatte man mir das letzte Mal entgegengehalten, als ich an einem Busbahnhof nach "toilet" fragte.
Aber nein, hier kennt man das nicht. Also Reisetasche aufgerissen, nach Langenscheidt gekramt und auf entsprechendes, unaussprechliches Wort gedeutet.
Aha, da gehts lang, um die Ecke. Die Ecke ist lang. Und der Kleb-Reis schwirrt immer noch rum.
Endlich, ich sehe schon das Wort "WC"! Ja, das steht da. Verstehen tun sie's aber trotzdem nicht. Wie spricht man wohl "WC" in Chinesisch?
Ich will hin. Werde aufgehalten. Ich befinde mich am Eingang, kam ja vor einiger Zeit aus dem Ausgang. Der Wachmann deutet mir, ich muesse meinen Koffer scannen. Muss man hier, bevor man auf den Bus geht.
Argh.
Ich schmeiss ihm den Koffer vor die Fuesse und laufe. Soll er doch machen, was er will mit meinem Koffer. Ich muss. Dringend. Nix-Zeit-Scan!
War das schoen, ich sags Euch.
Wieder draussen will ich jetzt ein Taxi. Gibt's nicht. Zwei, immerhin, die sind gleich weg.
Moment mal: Es schuettet, ich bin wirklich mal auf ein Taxi angewiesen und ES IST KEINS DA?
Ich versteh dieses Land einfach nicht. Sonst kann ich kaum eine Strasse kreuzen ohne mich der Fahrer erwaehren zu muessen, die aus allen Gassen mit ihren Volkswaegen auf mich zugeschossen kommen.
Wo ist hier ein Taxi? Gib's doch nich.
Ich kreuze die Strasse. Nass. Ich warte am Bordstein. Da kommt eins. Und das Licht im Fenster an!
Ihr sollt nicht meinen, das waer so einfach hier wie bei uns. Wenn oben das Licht brennt, dann heisst das noch lang nich, dass das Dingens frei ist. Das Licht brennt immer.
Aber hinter der Windschutzscheibe brennt ein kleines, unscheinbares Laempchen, das man im Herannahen des Gefaehrts mit Bussard-Augen erst mal ausmachen muss. Wenn das, und nur wenn das an ist, ist der Laden frei. Ich seh ein Scheiben-Lichtlein nahen.
Ich bin froh.
Nix. Der faehrt vorbei.
Ich hab die Faxen dicke, aber Hallo, hatte ich das schon erwaehnt?
China geht mir so auf den Sack, dass ich Filzlaeuse bekomm.
Immer, wenn man meint, man haette herausgefunden, wie der Hase laeuft, macht er hier 'nen Haken.
Argh, die Zweihundertsechsunzwanzigste.
Ich stelle mich einfach - meine Ampel ist grad gruen - vor die Kuehlerhaube eines Lichtlein-Taxis und bleibe stehen, bis meine Ampel auf rot umschaltet und der Kerl mich umfahren will. Ich werd richtig wuetend. Ich deute auf sein Licht, fange an auf Deutsch zu zetern, beschimpfe den Fahrer, fange schon fast wieder an zu schreien.
Anmerkung der Redaktion: Das ist hier manchmal befreiend, dass sie mich nicht verstehen. Was ich hier schon geschimpft habe auf offener Strasse. Aber die lassen einen auch zu Kreuze kriechen. Mich zumindest.
Trotzdem Essig mit Taxi. Faehrt um mich rum und ist weg. Ich nasser.
Was ich eigentlich vermeiden wollte, ist wieder so ein Nepper-Schlepper-Bauernfaenger, der mir ohne Taxameter dann unendlich viel Geld abknoepft, vorher dabei den Anschein erweckt, er sei pivat und janz juenstig.
Ich will ein Taxameter!
Da kommt so ein seltsamer Unimog, so ein kleiner. Hat ein Taxameter. Will mich. Ich steige ein. Bisschen seltsam. Unimog-Taxi? Hm.
Fahrer redet und zeigt was von "30", bis zum Hotel. Ich verstehe. Er nicht. Egal.
Er schreibt auf, in Schriftzeichen!
Nein, bitte jetzt nicht wieder dieses Spiel. Husch, spielt wo anders!
Himmelherrgott-Sappazement, gibts denn des a no?!
Ich also wieder "bu dong hanze", nicht verstehen Schriftzeichen.
Er tut so als wuerd er mich nicht verstehen. Ich schreibe "30" neben seine Schriftzeichen. Das ist ein unverschaemter Preis, aber mir momentan egal. Ich deute auf sein Taxameter. Das haengt da nur zur Zier, deutet er zurueck. Na toll. Haette ich gleich beim Kleb-Reis bleiben koennen, den ich so wunderbar umschifft hatte. Der hätte mich auch beschissen.
Ein Schlepper! Mann... Ich geb auf. Fast. Ich fluche. Schimpfe vor mich hin. Der will mir doch jetzt glatt klar machen, dass er meine "30" nicht versteht. Na hoer mal, die schreiben hier das Datum in unseren arabischen Schriftzeichen. Fuer wie saubloed haeltst du mich eigentlich? Der will einfach nur mehr. Wir fahren. Vielmehr: Er. Und wie. Mir is alles egal. Sollte eigentlich wieder aussteigen. Will mich anschnallen, so wie der faehrt... Er sagt: "Meiyou!" Sagen die immer, wenn man was nicht machen soll, also in etwa: Finger weg vom Gurt.
Ja, was denn? Soll ich mir die Nase auch noch an deiner dreckigen Windschutzscheibe zerdetschen?
Kann mir bitte mal einer die Sitten und Gebraeuche dieses Landes erklaeren??? Ich raff's einfach nicht.
Ich frage nach. Warum kein Gurt? Er: Meiyou. Ja scheiss auf dich du Kackbratze!
Seit ich in dieser Stadt angekommen bin, scheinen es alle darauf angelegt zu haben, mich zur Weissglut zu treiben...
Irgendwann schmeisst er mich raus und nimmt - oh Wunder - wirklich nur die unverschaemten 30 Yuan. Ich staune.
Stehe wieder im Regen. Das, was er Hotel nannte, sieht eher wie ein Konsulat aus. Ausserdem ist es hier ziemlich tot, dunkel, regnerisch. Strasse stimmt, das kann ich lesen. Aber die Strassen koennen sich hier lange ziehen. Wo ist Norden? Ich rufe im Hotel an.
Das hatte der Fahrer auch schon gemacht, um zu erfahren, wo er hin soll. Taxi-Fuehrerschein? Vergiss es. Am besten steigt man mit einer genauen Wegbeschreibung in guten alten "hanzi" (Schriftzeichen) in ein chinesisches Taxi. Alles andere ist Wahnsinn!
Ihr macht mich verrückt! Da muss man ja die Gelbsucht kriegen. Kann nicht gut fuer die Leber sein, dieser Stress.
Ich stehe also im stroemenden Regen in einer Straße, die ich nicht kenne, in einer Stadt, die ich nicht kenne, ohne Kompass, ohne eine Ahnung, wo Ost oder West ist. Hotel hilf! Angeblich sprechen die Englisch.
Das ist hier allerdings relativ, mit dem Sprechen.
Am Telefon eine junge Dame. Sagt mein Lieblingswort: "Wait!" und legt auf.
So, jetzt reichts. Der naechste Chinese, der mich versucht, ist nur noch Schlitz ohne Auge! Wenn die nicht so kurz waeren, koennte man sie wenigstens in den Boden rammen! Komm nur noch einer, der was will, dann werde ich zum Roadrunner und begrab ihn unter meinen Fuessen!
Ich bebe. Ueberlege, was ich ihr gleich am Telefon entgegenbruelle, wenn ich zurueckrufe. Mir faellt viel ein. Erinnere, was meine Freundin Young-Shin gesagt hat: Nie ungehalten werden bei den Chinesen, dann hast du verloren. Hab ich eh schon...
Und bin noch nasser. Ich hasse alle und alles.
Ich klopfe meine Energiepunkte. Ganz ruhig... Einfach irgendwohin laufen. Da werden schon Menschen sein. Menschen schon, aber leider chinesische. Und davon nicht gerade viele.
Dunkel, nass, fremd!
Irgendwann komme ich an ein grosses Gebaeude. Sieht aus wie ein grosser Busbahnhof. Nur welcher? In jeder Stadt gibts mindestens drei davon. Ich suche erst einmal nach einem Zigarettenladen. Bitte einen Rot-Haendle-Gitanes-Verschitt, aber doppelt! Ich rauche. Zwei auf einmal.
Am "-hof", ich weiss immer noch nicht, ob Busbahn- oder Bahhhof, kein Hinweis in einer meiner Sprachen. Wieso bin ich nicht nach Spanien gefahren, ich saubloeder Daemlack?
Etwas spaeter sehe ich ein Hinweis-Schild zur "South-Bus-Station". Immerhin. Ich weiss jetzt, dass ich mich irgendwo im Sueden der Stadt befinde. Na toll. Jetzt braeuchte ich zumindest noch eine weitere Himmelsrichtung und ich koennte mich rudimentaer orientieren.
Das Handy klingelt. Die Dame vom Hotel. Die hat das ernst gemeint mit dem Warten. Wo ich sei? "Don`t move!" Witzisch. Jetz is aba gut. Sie holt mich!
Ich frage, ob sie denn sicher sei, dass ich da sei, wo ich glaube, dass ich bin, am Suedbahnhof. Sie sagt: "Don`t move, I will take you."
Ja, nimm mich, aber bitte gleich, sonst bin ich nicht mehr ich. Mir ist mein China-Appetit vergangen.
Sie meint noch, sie naehme ihr Handy mit. So viel kann sie immerhin auf Englisch sagen. Fein.
Der langen Geschichte kurzer Sinn: Nach zehn Stunden stehe ich endlich im Hotel und muss mal wieder "waiten", um dann, eine halbe Stunde spaeter bei 0,0 % Personenverkehr am Tresen, aufgenommen zu werden. Dann muss es wieder schnell-schnell gehen. Ich hetze einer emsigen kleinen Dame hinterher, ueber den Hof, ueber Treppchen und...
ich komme endlich an.
Ein weiteres chinesisches Wunder: Es gibt sogar heisses Wasser.
Ich bin gluecklich. Ich liebe China! Guckst du!
Ende gut, alles gut! Die junge Dame, die mich bei unserer ersten telefonischen Begegnung einfach aufgelegt hatte, schenkt mir beim Abschied ihr Chinesisch-Lehrbuch zum Studium der Schriftzeichen und bleibt meine Brieffreundin...
Nach 8 Stunden Busfahrt, die mit 5 veranschlagt waren, fuer eine Distanz von sage und schreibe rund 400 km, kam ich in der Dunkelheit an meinem Ziel in Ningbo an.
Ein China-Reisetag, ist ein Kein-China-Tag. Ich weiss das, glaube auch nicht mehr an die vorgeschlagenen Fahrtzeiten, bin aber dann doch irgendwie schlecht gelaunt, wenn's gar so viel mehr wird. Warum, du dummer Touri, gewoehn dich endlich an die Sitten dieses weiten Landes!
Hatte ich schon von diesem Langsam-Schnell-Spiel erzaehlt. Sicher. Heute hat es mir wieder mal den letzten Nerv gekostet. Zuerst rummelt der Bus traege los, schramm-schramm, zwischendurch werden mal wieder die ueblichen Waren - wohl ein Nebenverdienst des Fahrers - ein und an anderer Stelle wieder ausgeladen, Zeit vergeht, man darf mal pinkeln - is ja auch schoen - und dann kommt nach Stunden endlich die unversprochene Pause.
Da heisst es dann ploetzlich: "Essen, essen!"
Soll meinen: Vergiss das Pinkeln und die Zigarette, nimm die Beine in die Hand und stuerme die Raststaette, wir haben keine Zeit! Das mit dem "Essen, essen!" wird mir dann beim Pinkeln, beim Rauchen, beim Rast-Versuch immer wieder zugerufen. Von Mitfahrenden.
Die hamse doch nich mehr alle. Wat soll das? Wuerden se an anderer Stelle nicht so viel Zeit vertuedeln, dann koennt ich wenigstens in Ruhe pinkeln und ne Nuddelsuppe essen, nach vier Stunden Fahrt.
Klo gibts an Bord natuerlich nicht. Wieso auch. Chinesen-Blasen halten besser.
Ich sachs Euch mal unter vorgehaltener Hand, aber nicht weitererzaehlen: Bei meinem letzten Tripp hatte ich die Faxen dicke und habe einfach waehrend der Fahrt in eine Flasche gepinkelt. Hatte mir schon in Korea ueberlegt, ob die wohl alle so einen Urin-Katheter mit Beinbeutel an sich haben.
Ja spinn ich denn. Ich werd hier doch nicht bis zum Exitus meine Beckenbodenmuskulatur quälen!
Und denn auch noch "schnell-schnell", wenn endlich das gelobte Land in Form eines oeffentlichen Aborts angesteuert wird.
Nun, das mit der Flasche ging diesmal nicht. Bus zu voll, Aktion dann mehr als peinlich. Selbst mir.
So, also angekommen in Ningbo, nach 8, ich schreibe aus, acht Stunden.
Sauer. Verstimmt. Hotel schon online gebucht, weil ich einfach nur ankommen und nicht gleich wieder suchen wollte.
Angekommen will ich erst mal - na, was denn wohl - pinkeln und rauchen.
Geht nicht.
Die uebliche Meute faellt ueber mich her, sobald die Schranke am Busbahnhof hinter mir faellt. Wollen mich wohinfahren, mich uebernachten und und und... Kleben an mir wie Sushi-Reis. Ich kotze.
Ich bin barsch. Hilft nix. Ich will rauchen, in Frieden, das habe ich mir nach diesem Tripp verdient. Ich will pinkeln, ohne Kleb-Reis am Rockzipfel. Verdammt noch mal. Ich wimmle das Volk ab, will 'ne Schachtel Zigaretten kaufen. Naechste Enttaeuschung. Kaum hat man sich an eine Sorte dieses Teufelszeugs gewoehnt - Rot-Haendle-Ketten-Rauchern bleibt dabei die Luft weg, ich berichtete - da ist man in einer anderen Provinz, wo es erst mal wieder einer neuen Brochio-asthmatischen-selbst-Testreihe bedarf, um die Marke zu finden, die einem nicht gleich die Spucke im Halse gerinnen laesst.
Ich will MEINE Marke! Zapperlot! Meine Nerven.
Kaum geh ich von dem Laden weg, ohne Zigaretten, eine habe ich noch, klebt's wieder von hinten. Ich verschwinde um die Ecke, will in Ruhe meine letzte Gute rauchen.
Es schuettet, hatte ich das erwaehnt?
Ich bin nass und stocksauer. Ich zuende gerade meinen letzten guten Freund, da kommt ein Mann des Aufreisser-Trosses um die Ecke gebogen und versucht noch einmal sein Glueck bei mir. Bin kurz davor einem ahnungslosen Chinesen die Scheiss-Fresse so zu stopfen, dass er sich den Rest seines Lebens den Reis von hinten einschieben muss.
LASST MICH EINMAL IN FRIEDEN WO ANKOMMEN. ICH WILL EINFACH NUR ANKOMMEN. Argh!
Jetzt Klo. Hetze durch den ganzen Komplex - ganz schoen grosser Busbahnhof in Ningbo - und suche nach dem Ort der Erleichterung. Finde nicht. Schweissausbruch. Ich frage am Ticketschalter: "WC, toilet, dubbleyoucee...?"
Hey, nicht lachen, das hatte man mir das letzte Mal entgegengehalten, als ich an einem Busbahnhof nach "toilet" fragte.
Aber nein, hier kennt man das nicht. Also Reisetasche aufgerissen, nach Langenscheidt gekramt und auf entsprechendes, unaussprechliches Wort gedeutet.
Aha, da gehts lang, um die Ecke. Die Ecke ist lang. Und der Kleb-Reis schwirrt immer noch rum.
Endlich, ich sehe schon das Wort "WC"! Ja, das steht da. Verstehen tun sie's aber trotzdem nicht. Wie spricht man wohl "WC" in Chinesisch?
Ich will hin. Werde aufgehalten. Ich befinde mich am Eingang, kam ja vor einiger Zeit aus dem Ausgang. Der Wachmann deutet mir, ich muesse meinen Koffer scannen. Muss man hier, bevor man auf den Bus geht.
Argh.
Ich schmeiss ihm den Koffer vor die Fuesse und laufe. Soll er doch machen, was er will mit meinem Koffer. Ich muss. Dringend. Nix-Zeit-Scan!
War das schoen, ich sags Euch.
Wieder draussen will ich jetzt ein Taxi. Gibt's nicht. Zwei, immerhin, die sind gleich weg.
Moment mal: Es schuettet, ich bin wirklich mal auf ein Taxi angewiesen und ES IST KEINS DA?
Ich versteh dieses Land einfach nicht. Sonst kann ich kaum eine Strasse kreuzen ohne mich der Fahrer erwaehren zu muessen, die aus allen Gassen mit ihren Volkswaegen auf mich zugeschossen kommen.
Wo ist hier ein Taxi? Gib's doch nich.
Ich kreuze die Strasse. Nass. Ich warte am Bordstein. Da kommt eins. Und das Licht im Fenster an!
Ihr sollt nicht meinen, das waer so einfach hier wie bei uns. Wenn oben das Licht brennt, dann heisst das noch lang nich, dass das Dingens frei ist. Das Licht brennt immer.
Aber hinter der Windschutzscheibe brennt ein kleines, unscheinbares Laempchen, das man im Herannahen des Gefaehrts mit Bussard-Augen erst mal ausmachen muss. Wenn das, und nur wenn das an ist, ist der Laden frei. Ich seh ein Scheiben-Lichtlein nahen.
Ich bin froh.
Nix. Der faehrt vorbei.
Ich hab die Faxen dicke, aber Hallo, hatte ich das schon erwaehnt?
China geht mir so auf den Sack, dass ich Filzlaeuse bekomm.
Immer, wenn man meint, man haette herausgefunden, wie der Hase laeuft, macht er hier 'nen Haken.
Argh, die Zweihundertsechsunzwanzigste.
Ich stelle mich einfach - meine Ampel ist grad gruen - vor die Kuehlerhaube eines Lichtlein-Taxis und bleibe stehen, bis meine Ampel auf rot umschaltet und der Kerl mich umfahren will. Ich werd richtig wuetend. Ich deute auf sein Licht, fange an auf Deutsch zu zetern, beschimpfe den Fahrer, fange schon fast wieder an zu schreien.
Anmerkung der Redaktion: Das ist hier manchmal befreiend, dass sie mich nicht verstehen. Was ich hier schon geschimpft habe auf offener Strasse. Aber die lassen einen auch zu Kreuze kriechen. Mich zumindest.
Trotzdem Essig mit Taxi. Faehrt um mich rum und ist weg. Ich nasser.
Was ich eigentlich vermeiden wollte, ist wieder so ein Nepper-Schlepper-Bauernfaenger, der mir ohne Taxameter dann unendlich viel Geld abknoepft, vorher dabei den Anschein erweckt, er sei pivat und janz juenstig.
Ich will ein Taxameter!
Da kommt so ein seltsamer Unimog, so ein kleiner. Hat ein Taxameter. Will mich. Ich steige ein. Bisschen seltsam. Unimog-Taxi? Hm.
Fahrer redet und zeigt was von "30", bis zum Hotel. Ich verstehe. Er nicht. Egal.
Er schreibt auf, in Schriftzeichen!
Nein, bitte jetzt nicht wieder dieses Spiel. Husch, spielt wo anders!
Himmelherrgott-Sappazement, gibts denn des a no?!
Ich also wieder "bu dong hanze", nicht verstehen Schriftzeichen.
Er tut so als wuerd er mich nicht verstehen. Ich schreibe "30" neben seine Schriftzeichen. Das ist ein unverschaemter Preis, aber mir momentan egal. Ich deute auf sein Taxameter. Das haengt da nur zur Zier, deutet er zurueck. Na toll. Haette ich gleich beim Kleb-Reis bleiben koennen, den ich so wunderbar umschifft hatte. Der hätte mich auch beschissen.
Ein Schlepper! Mann... Ich geb auf. Fast. Ich fluche. Schimpfe vor mich hin. Der will mir doch jetzt glatt klar machen, dass er meine "30" nicht versteht. Na hoer mal, die schreiben hier das Datum in unseren arabischen Schriftzeichen. Fuer wie saubloed haeltst du mich eigentlich? Der will einfach nur mehr. Wir fahren. Vielmehr: Er. Und wie. Mir is alles egal. Sollte eigentlich wieder aussteigen. Will mich anschnallen, so wie der faehrt... Er sagt: "Meiyou!" Sagen die immer, wenn man was nicht machen soll, also in etwa: Finger weg vom Gurt.
Ja, was denn? Soll ich mir die Nase auch noch an deiner dreckigen Windschutzscheibe zerdetschen?
Kann mir bitte mal einer die Sitten und Gebraeuche dieses Landes erklaeren??? Ich raff's einfach nicht.
Ich frage nach. Warum kein Gurt? Er: Meiyou. Ja scheiss auf dich du Kackbratze!
Seit ich in dieser Stadt angekommen bin, scheinen es alle darauf angelegt zu haben, mich zur Weissglut zu treiben...
Irgendwann schmeisst er mich raus und nimmt - oh Wunder - wirklich nur die unverschaemten 30 Yuan. Ich staune.
Stehe wieder im Regen. Das, was er Hotel nannte, sieht eher wie ein Konsulat aus. Ausserdem ist es hier ziemlich tot, dunkel, regnerisch. Strasse stimmt, das kann ich lesen. Aber die Strassen koennen sich hier lange ziehen. Wo ist Norden? Ich rufe im Hotel an.
Das hatte der Fahrer auch schon gemacht, um zu erfahren, wo er hin soll. Taxi-Fuehrerschein? Vergiss es. Am besten steigt man mit einer genauen Wegbeschreibung in guten alten "hanzi" (Schriftzeichen) in ein chinesisches Taxi. Alles andere ist Wahnsinn!
Ihr macht mich verrückt! Da muss man ja die Gelbsucht kriegen. Kann nicht gut fuer die Leber sein, dieser Stress.
Ich stehe also im stroemenden Regen in einer Straße, die ich nicht kenne, in einer Stadt, die ich nicht kenne, ohne Kompass, ohne eine Ahnung, wo Ost oder West ist. Hotel hilf! Angeblich sprechen die Englisch.
Das ist hier allerdings relativ, mit dem Sprechen.
Am Telefon eine junge Dame. Sagt mein Lieblingswort: "Wait!" und legt auf.
So, jetzt reichts. Der naechste Chinese, der mich versucht, ist nur noch Schlitz ohne Auge! Wenn die nicht so kurz waeren, koennte man sie wenigstens in den Boden rammen! Komm nur noch einer, der was will, dann werde ich zum Roadrunner und begrab ihn unter meinen Fuessen!
Ich bebe. Ueberlege, was ich ihr gleich am Telefon entgegenbruelle, wenn ich zurueckrufe. Mir faellt viel ein. Erinnere, was meine Freundin Young-Shin gesagt hat: Nie ungehalten werden bei den Chinesen, dann hast du verloren. Hab ich eh schon...
Und bin noch nasser. Ich hasse alle und alles.
Ich klopfe meine Energiepunkte. Ganz ruhig... Einfach irgendwohin laufen. Da werden schon Menschen sein. Menschen schon, aber leider chinesische. Und davon nicht gerade viele.
Dunkel, nass, fremd!
Irgendwann komme ich an ein grosses Gebaeude. Sieht aus wie ein grosser Busbahnhof. Nur welcher? In jeder Stadt gibts mindestens drei davon. Ich suche erst einmal nach einem Zigarettenladen. Bitte einen Rot-Haendle-Gitanes-Verschitt, aber doppelt! Ich rauche. Zwei auf einmal.
Am "-hof", ich weiss immer noch nicht, ob Busbahn- oder Bahhhof, kein Hinweis in einer meiner Sprachen. Wieso bin ich nicht nach Spanien gefahren, ich saubloeder Daemlack?
Etwas spaeter sehe ich ein Hinweis-Schild zur "South-Bus-Station". Immerhin. Ich weiss jetzt, dass ich mich irgendwo im Sueden der Stadt befinde. Na toll. Jetzt braeuchte ich zumindest noch eine weitere Himmelsrichtung und ich koennte mich rudimentaer orientieren.
Das Handy klingelt. Die Dame vom Hotel. Die hat das ernst gemeint mit dem Warten. Wo ich sei? "Don`t move!" Witzisch. Jetz is aba gut. Sie holt mich!
Ich frage, ob sie denn sicher sei, dass ich da sei, wo ich glaube, dass ich bin, am Suedbahnhof. Sie sagt: "Don`t move, I will take you."
Ja, nimm mich, aber bitte gleich, sonst bin ich nicht mehr ich. Mir ist mein China-Appetit vergangen.
Sie meint noch, sie naehme ihr Handy mit. So viel kann sie immerhin auf Englisch sagen. Fein.
Der langen Geschichte kurzer Sinn: Nach zehn Stunden stehe ich endlich im Hotel und muss mal wieder "waiten", um dann, eine halbe Stunde spaeter bei 0,0 % Personenverkehr am Tresen, aufgenommen zu werden. Dann muss es wieder schnell-schnell gehen. Ich hetze einer emsigen kleinen Dame hinterher, ueber den Hof, ueber Treppchen und...
ich komme endlich an.
Ein weiteres chinesisches Wunder: Es gibt sogar heisses Wasser.
Ich bin gluecklich. Ich liebe China! Guckst du!
Ende gut, alles gut! Die junge Dame, die mich bei unserer ersten telefonischen Begegnung einfach aufgelegt hatte, schenkt mir beim Abschied ihr Chinesisch-Lehrbuch zum Studium der Schriftzeichen und bleibt meine Brieffreundin...
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