Da biste platt
Da steh ick nu und bin platt. Da verlässt de jerade mal det Auto für'n Minütchen und schon klackerts beim Anfahren. Wat denn dette? Will mir die Lenkung verarschen? Meen kleener "San", wie ick ihn nenne - klenet Wortjespiele mit dem schinesischen Wort für die Zahl "drei", also, meene kleene Sonne macht Sachen, da wird doch der Hund uff der Pfanne verrückt. Schlingert sich klackernd quer über die Fahrbahn. Ick will wendeschleifen, er nich. Und det Jeräusch, als ob se mir während meener Abwesenheit nen Laternenpfal an die Karrosserie jetackert hätten. Ja nu, weit kam ich nicht. So ungefähr nen Halbkreis weiter musste ick in die Feuerwehranfahrtzone uff der Straßenseite jejenüber einschlagen. Stieg aus und guckte. Platter jings nich. Hab noch nie so eenen Platten jesehen. Wär ick Bayer, hätt ick jesacht: Kreuzkruzitürken, leckst mi doch am Oasch. Bin ick aber nich. Also hugenottische Kleinflüche an Bayerisch statt. Jeht ooch. Aber brachte mir keenen Schritt, was sach ick, keene Radspur weiter. Wat nu?
Erst mal Lunge pumpen, mit Nikotin, wenn schon Reifen platt, macht Radstand ooch nich besser, aber Seele ruhiger.
Ick hab mir mal sagen lassen, det die meesten Töftöfs hinten een Reserverad im Kofferraum haben. Is ne feine Sache, so een zusätzlichet Rad im Rücken. Ja, nur muss dette da raus, der Plattfuß ab und det jefüllte Dingens wieder ran. Nee, Kinder, hab ick mir jesacht, nich mit mir. Da können ja janz dolle Sachen passieren. Aus Versehen die Schrauben beim Ansetzen falschrum schrauben und denn nach een paar Metern Fahrglück durch verlustich jejangenem Reifen uff der Radnaabe ratschen, oder Finger zwischen Hebejedöns und Wagenboden zermatschen, oder Hebejedöns ansetzen und "krack", Wagenboden beim ersten Ansatz an der Sollbruchstelle erwischt ... Nee, nee, ick bin doch nich blöd.
Ehrlich jesacht eben doch. In diesem Moment wünschte ick mir ne Fortbildung in Sachen Radwechsel. Wissenserweiterungen zum Thema Schizophrener Formenkreis, Hypoglykämie oder Qualitätsmanagement zaubern det Rad jetz och nich mehr uff die Naabe. Wat bringt mich det weiter? Hab ick mir in der Schule schon immer jefragt. Wat bringt mich det nu weiter? Keenen Schritt.
Aber wozu jibt es den ADAC? Beispielsweise, um sicher am Straßenrand eene Stunde uff nen Reifenwechsel zu warten. Jesacht, jetan.
Und während ick da so wartete, hab ick mir mal die Jebrauchsanweisung für meenen "San", det Wägelchen mit der Nummer "3", zu Jemüte jeführt. Spannend, wat da allet so unter Reifenwechsel stand:
"Nehmen sie den Werkzeugkasten (1) aus dem Radkasten (2), indem sie die Keilschraube (3) lösen. Dann nehmen sie die Hebebühne (A) und setzen sie mit der Kurbel (B) zusammen, während sie an den Reifen mit dem Radkappenlöser (I) an allen vier Seiten vorsichtig die Radkappenlaschen nach innen Richtung (II) drücken und gleichzeitig die Radkappenmutter (III) mit dem Radkappenmutterklemm-Entferner (C) aushebeln. Schieben Sie dann die zusammengesetze Hebebühe (Adolph) unter den Wagen an der Sollbruchkante (Berta) und beginnen sie die Radmuttern (Clara) vorsichtig mit dem Radmutter-Schlüssel (Doris) zu lösen. Dabei steht das Rad (Zeppelin) noch fest auf dem Untergrund (Gerda)"
Und det war erst der Anfang. Obwohl meene Oogen immer zwischen Illustration und Text hin und her flogen wusste ich nach kurzer Zeit nur noch Eenet: Bahnhof. Mensch, dacht ick mir, det wär een Spektakel für janz Lankwitz-SozWoBau. Da würden sich die Balkone rundum mit hämisch grinsenden Jesichtern füllen, die Kissen in die Fensterkreuze jelegt, und icke zur alleinigen Abendunterhaltung von Opa Bert und Onkel Frantz mutieren. Wat ne Schow. Der Dödel von der ambulanten Pfleje beim versuchten Reifenwechsel. Ick ließ also diese furchtbar hilfreiche Fließtext-Kladde wieder ins Handschuhfach gleiten und fing an, die Zeit bis zum Eintreffen der jelben Engel mit Unterlippen-Klimmzüjen zu überbrücken.
Beim Eintreffen det Engels war meene Blase uff Jymnastik-Ball-Größe uffjeloofen, die Kälte hatte sich bis tief unter meen ärmelloset T-Shirt jefressen und die Langeweile hatte mir bereits die letzte Synapse verklebt. Da war er, der jelbe Engel. Nett war er ooch noch. Anstatt zu fragen: "Und dafür rufen sie jetze im Ernst den ADAC?", bedeutete er mir fachmännisch: "Jaja, mit dem Bordwerkzeug schafft man et manchmal eenfach nich, die Radmuttern zu lösen."
Erst mal Lunge pumpen, mit Nikotin, wenn schon Reifen platt, macht Radstand ooch nich besser, aber Seele ruhiger.
Ick hab mir mal sagen lassen, det die meesten Töftöfs hinten een Reserverad im Kofferraum haben. Is ne feine Sache, so een zusätzlichet Rad im Rücken. Ja, nur muss dette da raus, der Plattfuß ab und det jefüllte Dingens wieder ran. Nee, Kinder, hab ick mir jesacht, nich mit mir. Da können ja janz dolle Sachen passieren. Aus Versehen die Schrauben beim Ansetzen falschrum schrauben und denn nach een paar Metern Fahrglück durch verlustich jejangenem Reifen uff der Radnaabe ratschen, oder Finger zwischen Hebejedöns und Wagenboden zermatschen, oder Hebejedöns ansetzen und "krack", Wagenboden beim ersten Ansatz an der Sollbruchstelle erwischt ... Nee, nee, ick bin doch nich blöd.
Ehrlich jesacht eben doch. In diesem Moment wünschte ick mir ne Fortbildung in Sachen Radwechsel. Wissenserweiterungen zum Thema Schizophrener Formenkreis, Hypoglykämie oder Qualitätsmanagement zaubern det Rad jetz och nich mehr uff die Naabe. Wat bringt mich det weiter? Hab ick mir in der Schule schon immer jefragt. Wat bringt mich det nu weiter? Keenen Schritt.
Aber wozu jibt es den ADAC? Beispielsweise, um sicher am Straßenrand eene Stunde uff nen Reifenwechsel zu warten. Jesacht, jetan.
Und während ick da so wartete, hab ick mir mal die Jebrauchsanweisung für meenen "San", det Wägelchen mit der Nummer "3", zu Jemüte jeführt. Spannend, wat da allet so unter Reifenwechsel stand:
"Nehmen sie den Werkzeugkasten (1) aus dem Radkasten (2), indem sie die Keilschraube (3) lösen. Dann nehmen sie die Hebebühne (A) und setzen sie mit der Kurbel (B) zusammen, während sie an den Reifen mit dem Radkappenlöser (I) an allen vier Seiten vorsichtig die Radkappenlaschen nach innen Richtung (II) drücken und gleichzeitig die Radkappenmutter (III) mit dem Radkappenmutterklemm-Entferner (C) aushebeln. Schieben Sie dann die zusammengesetze Hebebühe (Adolph) unter den Wagen an der Sollbruchkante (Berta) und beginnen sie die Radmuttern (Clara) vorsichtig mit dem Radmutter-Schlüssel (Doris) zu lösen. Dabei steht das Rad (Zeppelin) noch fest auf dem Untergrund (Gerda)"
Und det war erst der Anfang. Obwohl meene Oogen immer zwischen Illustration und Text hin und her flogen wusste ich nach kurzer Zeit nur noch Eenet: Bahnhof. Mensch, dacht ick mir, det wär een Spektakel für janz Lankwitz-SozWoBau. Da würden sich die Balkone rundum mit hämisch grinsenden Jesichtern füllen, die Kissen in die Fensterkreuze jelegt, und icke zur alleinigen Abendunterhaltung von Opa Bert und Onkel Frantz mutieren. Wat ne Schow. Der Dödel von der ambulanten Pfleje beim versuchten Reifenwechsel. Ick ließ also diese furchtbar hilfreiche Fließtext-Kladde wieder ins Handschuhfach gleiten und fing an, die Zeit bis zum Eintreffen der jelben Engel mit Unterlippen-Klimmzüjen zu überbrücken.
Beim Eintreffen det Engels war meene Blase uff Jymnastik-Ball-Größe uffjeloofen, die Kälte hatte sich bis tief unter meen ärmelloset T-Shirt jefressen und die Langeweile hatte mir bereits die letzte Synapse verklebt. Da war er, der jelbe Engel. Nett war er ooch noch. Anstatt zu fragen: "Und dafür rufen sie jetze im Ernst den ADAC?", bedeutete er mir fachmännisch: "Jaja, mit dem Bordwerkzeug schafft man et manchmal eenfach nich, die Radmuttern zu lösen."
Recht hat er, dacht ick mir, deswegen hatte ick es ooch jar nicht erst versucht. Janz davon abjesehen, hätte ick spätestens bei Punkt Römisch Zwei eenen Nervenzusammenbruch erster Jüte erlitten. Bin ick Krankenpflejer oder Engel? Guckst du.

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