5001 Stufen und eine Bergpromenade
Meine Zeit in China neigt sich gen Deutschland. Dies Wort alleine klingt schon so faad, dass ich gähnen muss. Deutsch-laaaaaaaand.
Hoch wollt ich, in die Berge. Dabei hatte ich bereits das zweifelhafte Vergnügen einer chinesischen Bergwanderung. Erfahrungen durfte ich auf dem Sanqinshan sammeln, damals, vor eineinhalb Jahren.
Erster Versuch:
Im Osten, auf der Dali-Seite, liegen die Cangshan Berge, wobei „shan" bereits für „Berg steht", also wohl eher die Cang-Berge. Ich werde zum Zhonghe geschickt. Von meiner Bibel (Lonely Planet). Bibel sagt, man könne aufsteigen, der Aufstieg sei lohnenswerter als das Ziel, ein Tempel finde sich oben am Berg. Zhonghe angeblich 4000 Meter. Denk mir nix, weil hier, Dali, schon auf 1900 Metern.
Allein der Anlauf gestaltet sich schwierig. Hier is nix mit Schilderwald und Wegbezeichnungen, „nach A 4,5 Stunden, zur Y-Alm 6 Stunden" und so. Wie findet eine Langnase also den Einstieg? Sie lässt sich immer wieder in die falsche Richtung schicken. Läuft wieder und wieder den Berg an, um dann ein ums andere Mal gesenkten Hauptes in die Ebene zurückzutrotten.
Einmal lande ich an einem Ferienlager für Militärs, wo mir gleich ein erbost winkender, gefährlich dreinschauender Milizionär den Weg abschneidet.
Hoch wollt ich, in die Berge. Dabei hatte ich bereits das zweifelhafte Vergnügen einer chinesischen Bergwanderung. Erfahrungen durfte ich auf dem Sanqinshan sammeln, damals, vor eineinhalb Jahren.
Erster Versuch:
Im Osten, auf der Dali-Seite, liegen die Cangshan Berge, wobei „shan" bereits für „Berg steht", also wohl eher die Cang-Berge. Ich werde zum Zhonghe geschickt. Von meiner Bibel (Lonely Planet). Bibel sagt, man könne aufsteigen, der Aufstieg sei lohnenswerter als das Ziel, ein Tempel finde sich oben am Berg. Zhonghe angeblich 4000 Meter. Denk mir nix, weil hier, Dali, schon auf 1900 Metern.
Allein der Anlauf gestaltet sich schwierig. Hier is nix mit Schilderwald und Wegbezeichnungen, „nach A 4,5 Stunden, zur Y-Alm 6 Stunden" und so. Wie findet eine Langnase also den Einstieg? Sie lässt sich immer wieder in die falsche Richtung schicken. Läuft wieder und wieder den Berg an, um dann ein ums andere Mal gesenkten Hauptes in die Ebene zurückzutrotten.
Einmal lande ich an einem Ferienlager für Militärs, wo mir gleich ein erbost winkender, gefährlich dreinschauender Milizionär den Weg abschneidet.
Hatte ich hier schon ein paar Mal. Kaum guckst du, bist du im Sperrgebiet. Was denken die eigentlich? Dass ich als einsamer Wanderer, einem ganze Legionen niedermachenden Kungfu-Kämpfer gleich, das Lager ausradiere. Oder, dass mein Strohhut eigentlich ein schlecht getarntes, messerscharfes Wurfgeschoss ist. Auf jeden Fall nervt mich das Ge-Bläh dieser Milizen. Nichtsdestotrotz bin ich freundlich und trolle mich.
Irgendwann finde ich den Einstieg.
Wie? Ganz einfach, da ist ein Wärterhäuschen, ich muss Geld zahlen und mein Feuerzeug abgeben. Rauchverbot am Berg. Einstieg gefunden. Dann sehe ich nach 50 Metern eine Treppe. Schon bevor ich überhaupt Anlauf auf mein Ziel nehme, bin ich bis über beide Ohren genervt. Treppensteigen. Ich will nicht auf einen Kirchturm in Bayern, sondern auf einen Berg! Argh!
Nach schätzungsweise zwei sehr schweißtreibenden, und darüber hinaus unvergleichlich eintönigen Stunden des Aufstiegs – wo war da nochma die schöne Landschaft? – erreiche ich den Höhenweg.
Hatte ich alles schon. Da stehe ich, auf dem Touri-Highway, 2600 Meter über dem Meeresspiegel und die Galle ebbt bedenklich an mein Gaumenzäpfchen. Ich renne also 11 km auf diesem Höhenweg entlang ohne nennenswerte Naturschönheiten zu erblicken – die Flüsse ham grad kein Wasser und die Fälle sind demnach ohne Fall –, immer schön eben, der Nase nach. Gelegentlich kommen mir Berg-Ranger auf ihren Mountain-Bikes entgegen. Wozu Mountain-Bikes? Holland-Räder wären angemessen.
Dann stoße ich auf amerikanische Touristen, die meinen Mut bewundern, weil ich ALLEIN unterwegs bin, ohne Guide, am Berg. Himmelherrgott.
Auf dem Highway finden sich gelegentlich Schilder wie „Dangerous Road!". „Dangerous" vielleicht, aber nur für die mit Pumps und Minikleidchen bestückten chinesischen Mädels, die rechts ihr Handy, links ihre Digicam schwingend bei Regen EVENTUELL ins Rutschen geraten könnten.
Irgendwann finde ich den Einstieg.
Wie? Ganz einfach, da ist ein Wärterhäuschen, ich muss Geld zahlen und mein Feuerzeug abgeben. Rauchverbot am Berg. Einstieg gefunden. Dann sehe ich nach 50 Metern eine Treppe. Schon bevor ich überhaupt Anlauf auf mein Ziel nehme, bin ich bis über beide Ohren genervt. Treppensteigen. Ich will nicht auf einen Kirchturm in Bayern, sondern auf einen Berg! Argh!
Nach schätzungsweise zwei sehr schweißtreibenden, und darüber hinaus unvergleichlich eintönigen Stunden des Aufstiegs – wo war da nochma die schöne Landschaft? – erreiche ich den Höhenweg.
Hatte ich alles schon. Da stehe ich, auf dem Touri-Highway, 2600 Meter über dem Meeresspiegel und die Galle ebbt bedenklich an mein Gaumenzäpfchen. Ich renne also 11 km auf diesem Höhenweg entlang ohne nennenswerte Naturschönheiten zu erblicken – die Flüsse ham grad kein Wasser und die Fälle sind demnach ohne Fall –, immer schön eben, der Nase nach. Gelegentlich kommen mir Berg-Ranger auf ihren Mountain-Bikes entgegen. Wozu Mountain-Bikes? Holland-Räder wären angemessen.
Dann stoße ich auf amerikanische Touristen, die meinen Mut bewundern, weil ich ALLEIN unterwegs bin, ohne Guide, am Berg. Himmelherrgott.
Auf dem Highway finden sich gelegentlich Schilder wie „Dangerous Road!". „Dangerous" vielleicht, aber nur für die mit Pumps und Minikleidchen bestückten chinesischen Mädels, die rechts ihr Handy, links ihre Digicam schwingend bei Regen EVENTUELL ins Rutschen geraten könnten.
Sind die den hier komplett bescheuert. Bergwandern heißt das bei uns. Wie heißt das wohl hier? Berg-Watscheln?
Es ist sterbenslangweilig. Lediglich der tolle Blick auf den See unter mir gibt mir das Gefühl, diesen Tag nicht komplett verschissen zu haben.
Nach 11 km endet also der Highway, meine Füße schmerzen vom Beton-Treten und ich bin so schlechter Laune, dass es heute keiner mehr wagen darf, mich auch nur anzuatmen.
Ende Gelände. Von hier geht, wie auch auf der anderen Seite bereits hoch, eine Seilbahn wieder runter. Mag aber nicht fahren. Obwohl meine Füße was anderes sagen. Ich suche mal wieder. Diesmal den Abstieg. Ich frage, man weist mir wie immer folgenden Weg: Geradeaus. Haha, kenn ich bereits. Nichtsdestotrotz ziehe ich los, in der Hoffnung, irgendwie einen Weg nach unten zu finden. Zuerst sehe ich auch einen Pfad, aber er endet ca. 200 m weiter unten in einem Flussbett. Badestelle?
Es ist sterbenslangweilig. Lediglich der tolle Blick auf den See unter mir gibt mir das Gefühl, diesen Tag nicht komplett verschissen zu haben.
Nach 11 km endet also der Highway, meine Füße schmerzen vom Beton-Treten und ich bin so schlechter Laune, dass es heute keiner mehr wagen darf, mich auch nur anzuatmen.
Ende Gelände. Von hier geht, wie auch auf der anderen Seite bereits hoch, eine Seilbahn wieder runter. Mag aber nicht fahren. Obwohl meine Füße was anderes sagen. Ich suche mal wieder. Diesmal den Abstieg. Ich frage, man weist mir wie immer folgenden Weg: Geradeaus. Haha, kenn ich bereits. Nichtsdestotrotz ziehe ich los, in der Hoffnung, irgendwie einen Weg nach unten zu finden. Zuerst sehe ich auch einen Pfad, aber er endet ca. 200 m weiter unten in einem Flussbett. Badestelle?
Nichts hilft, ich muss wieder hoch, und dann in die Seilbahn.
Ich rate bereits vorher, wer die zusammengebastelt hat, und ich habe natürlich Recht: Die Österreicher.
Ich rate bereits vorher, wer die zusammengebastelt hat, und ich habe natürlich Recht: Die Österreicher.
Scheinen in China das Drahtseil-Monopol zu haben.
Unten angekommen, nachdem ich in der Viererkabine einem Chinesischen Pärchen verbissen lächelnd Rede und Antwort stehen musste, werde ich wieder von etlichen Privatchauffeuren in Empfang genommen. Und jetzt ist es endlich wieder so weit.
Ich fluche auf Deutsch. Nachdem ich einem dieser Nasen höflich aber bestimmt gesagt habe, ich bräuchte seine Fahr-und-Bringdienste nicht und der immer noch weitermacht mit seinem „Dali, Dali, Dali, go Dali????" hält mich nix mehr.
Unten angekommen, nachdem ich in der Viererkabine einem Chinesischen Pärchen verbissen lächelnd Rede und Antwort stehen musste, werde ich wieder von etlichen Privatchauffeuren in Empfang genommen. Und jetzt ist es endlich wieder so weit.
Ich fluche auf Deutsch. Nachdem ich einem dieser Nasen höflich aber bestimmt gesagt habe, ich bräuchte seine Fahr-und-Bringdienste nicht und der immer noch weitermacht mit seinem „Dali, Dali, Dali, go Dali????" hält mich nix mehr.
„Verdammte Scheiße, wie oft muss ich eigentlich noch bu-yao-en, damit du Arschnase von mir ablässt. Nein ist nein, verf…. noch mal. Was gibt’s da nicht zu verstehen?" Meine Wut hält ihn seinerseits nicht davon ab, sein Mantra weiterzubeten. „Dali, go Dali?“
Weiter geht der Spießrutenlauf auf der Straße nach unten. Die vielen abwärts und aufwärts rollenden Vans hupen mich an, stoppen, winken mich rein, das „Dali, Dali, Dali?" wird mir entgegengebrüllt und ich reagier nicht mehr. Ziehe meinen Sonnenhut, der mir beim leisesten Windhauch ständig vom Kopf fliegt – Scheißding – tief ins ausländische Langnasen-Gesicht und stapfe stur bis ins Tal. Heute ist China mal wieder einsame Kacke.
Zweiter Versuch, Angst vor Schlangen:
Wie ich mir das immer so denke. Mit’m Bus zum See runter, mit der Fähre Wasser kreuzen und dann eben im Osten nach oben. Aber die Rezeptionistin, die mich jeden Morgen fragt: „Where are you going?", belehrt mich eines Besseren. Fähre war mal. Öffentliche, mein ich. Gibt nur noch Touri-Boote und die muss man buchen. Herrgott, dann buch ich halt. Ist ein Gesamtpaket, mit Chauffeur zur Anlegestelle, Führung durch den Guanyin-Tempel auf der anderen Seite des Erhai und Rückschippern. Ich sag, danke, gerne Überfahrt und dann aus die Maus. Dann ich wieder ich, sprich Individuum, umherlaufen, Berg hoch und so!!!
Weiter geht der Spießrutenlauf auf der Straße nach unten. Die vielen abwärts und aufwärts rollenden Vans hupen mich an, stoppen, winken mich rein, das „Dali, Dali, Dali?" wird mir entgegengebrüllt und ich reagier nicht mehr. Ziehe meinen Sonnenhut, der mir beim leisesten Windhauch ständig vom Kopf fliegt – Scheißding – tief ins ausländische Langnasen-Gesicht und stapfe stur bis ins Tal. Heute ist China mal wieder einsame Kacke.
Zweiter Versuch, Angst vor Schlangen:
Wie ich mir das immer so denke. Mit’m Bus zum See runter, mit der Fähre Wasser kreuzen und dann eben im Osten nach oben. Aber die Rezeptionistin, die mich jeden Morgen fragt: „Where are you going?", belehrt mich eines Besseren. Fähre war mal. Öffentliche, mein ich. Gibt nur noch Touri-Boote und die muss man buchen. Herrgott, dann buch ich halt. Ist ein Gesamtpaket, mit Chauffeur zur Anlegestelle, Führung durch den Guanyin-Tempel auf der anderen Seite des Erhai und Rückschippern. Ich sag, danke, gerne Überfahrt und dann aus die Maus. Dann ich wieder ich, sprich Individuum, umherlaufen, Berg hoch und so!!!
Das findet sie komisch.
An der Anlegestelle werde ich vom Chauffeur zu einem der Boote mit Pagodenaufbau gebracht, in dem bereits drei Leutchen sitzen und Karten spielen. Ich tipp auf Besatzung. Frage, wann das Schiff denn losfährt. Sie sagen: „Mei you!". Schon wieder der zauberhafte Satz „Gibsnich!". Dann lachen sie und meinen, wir würden gg. 17 Uhr fahren. Es ist 10.30 Uhr. Haha, immer lustig, die Chinesen.
Gehe wieder an Land und kaufe mir einen Strohhut, der mir nicht ständig vom Kopf rutscht. Habe schon einige Sonnenbrand-Heilsalben durch und muss mich schützen.
Als ich zurückkomme geht’s doch schon los. Wie sich herausstellt, sind die drei Chinesen wartende Passagiere, die auch keinen Dunst hatten, wann wir übergesetzt würden.
An der Anlegestelle werde ich vom Chauffeur zu einem der Boote mit Pagodenaufbau gebracht, in dem bereits drei Leutchen sitzen und Karten spielen. Ich tipp auf Besatzung. Frage, wann das Schiff denn losfährt. Sie sagen: „Mei you!". Schon wieder der zauberhafte Satz „Gibsnich!". Dann lachen sie und meinen, wir würden gg. 17 Uhr fahren. Es ist 10.30 Uhr. Haha, immer lustig, die Chinesen.
Gehe wieder an Land und kaufe mir einen Strohhut, der mir nicht ständig vom Kopf rutscht. Habe schon einige Sonnenbrand-Heilsalben durch und muss mich schützen.
Als ich zurückkomme geht’s doch schon los. Wie sich herausstellt, sind die drei Chinesen wartende Passagiere, die auch keinen Dunst hatten, wann wir übergesetzt würden.
Vier Menschlein werden also mit einer schwimmenden Pagode über den See geschippert.
Drüben folge ich den Dreien und meiner als Bai (Nationale Minderheit) verkleideten Führerin. Sie quatscht unablässig auf Chinesisch - an diesem Tag kann ich darüber schmunzeln. Erst stapfe ich mutig hinterdrein, irgendwann gehe ich meiner eigenen Wege. Kaufe drei riesige Räucherstäbchen für den Preis von zwei Abendessen und will anzünden. Ein Mönch nimmt mich in Empfang und geht mit mir das Protokoll durch. Das finde ich schön. Ich mag Mönche. Wirklich. So musst du anzünden, so opfern, so verbeugen, Protokoll eben. Guanyin gefällt mir auch. Es gibt hier hin und wieder Gesichter bei den Göttern, die weniger Ehrfurcht als viel mehr pures Grauen in mir auslösen. Diese Göttin hier blickt liebevoll und milde auf mich herab. Ein kontemplativer Blick über den See vom Tempel aus vertieft meine innere Einkehr. Sehe auch auf den Berg über der Pagode und halte nach einem Weg Ausschau.
Dass ich die Anlage einfach verlasse und die Staubstraße entlang ins Nirgendwo wandere, scheinen wieder alle komisch zu finden.
Komme an ein Dorf, in dem es nicht ein Lokal und nur einen Krämerladen gibt. Und da bin ich natürlich wieder der Außerirdische. Bizarr finde ich das schon. 3 km gegenüber auf der anderen Seite des Sees gähnen die Einheimischen den Touris ins Gesicht. Und hier laufen mir die Kinder in einer großen Schar hinterher. Verstecken sich immer wieder, weil Langnase ja gefährlich sein kann. Mischung aus Neugier, Ehrfurcht und Kinderquatsch.
Springe auf einen Bus. Stehe in der Tür, es ist brechend voll. Aber ich bin glücklich und nix und niemand kann mich heute ärgern. Bei der Ankunft in Xiaguan (Neu-Dali) beglücke ich die Schlepper – „Dali, Dali?“ - mit einem Lächeln, auch wenn ich sie links liegen lasse und nach einer Schüssel „jiaozi" Ausschau halte, bevor es weitergeht, zurück nach Dali Gucheng, der alten Stadt.
Dort werde ich noch von einem Schuster ausgeweidet, der mich aufgrund meiner völlig verdreckten Schuhe von der Straße holt. Da sitze ich in einer Seitengasse. Aus einem Schuhputzer wird ein Schuster, der an meinen Schuhen rumklebt, die Sohlen ausbessert und sie mit starkem Zwirn – zeigt er mir, ganz starker, guckst du – neu vernäht. Frage mich schon, was er mir wohl dafür aus der Nase ziehen wird. Lache bereits in mich hinein, denn heute hat mir der Tag ein sonniges Gemüt nebst Sonnenbrand-Auffrischung beschert. Ich denke so an unverschämte 50 Yuan. Als er mir die Rechnung präsentiert, lache ich wirklich erst mal los. 250 Yuan. Ein Viertel Monatsgehalt. "Zai laowai". Da isses wieder. Ausländer-Schlachten vom Feinsten. Ich diskutiere ein wenig mit ihm rum und gebe ihm dann unfassbare 150. Ich hätte einfach das Zauberwörtchen "jingcha" – Polizei – sprechen müssen und wir wären dem richtigen Preis näher gekommen. Aber dafür war ich heute zu gut gelaunt. Ein bisschen wehmütig lasse ich den Mann dennoch hinter mir. Warum müssen sie einen hier immer zur Schlachtbank führen?
Drüben folge ich den Dreien und meiner als Bai (Nationale Minderheit) verkleideten Führerin. Sie quatscht unablässig auf Chinesisch - an diesem Tag kann ich darüber schmunzeln. Erst stapfe ich mutig hinterdrein, irgendwann gehe ich meiner eigenen Wege. Kaufe drei riesige Räucherstäbchen für den Preis von zwei Abendessen und will anzünden. Ein Mönch nimmt mich in Empfang und geht mit mir das Protokoll durch. Das finde ich schön. Ich mag Mönche. Wirklich. So musst du anzünden, so opfern, so verbeugen, Protokoll eben. Guanyin gefällt mir auch. Es gibt hier hin und wieder Gesichter bei den Göttern, die weniger Ehrfurcht als viel mehr pures Grauen in mir auslösen. Diese Göttin hier blickt liebevoll und milde auf mich herab. Ein kontemplativer Blick über den See vom Tempel aus vertieft meine innere Einkehr. Sehe auch auf den Berg über der Pagode und halte nach einem Weg Ausschau.
Wieso mach ich auch nie, was hier von Touris erwartet wird?
Da lauf ich und weiß nicht wohin. Wie schön. Nach zwei, drei Kilometern geht eine Straße den Hang hinauf. Folge ihr. Irgendwann endet sie an einem Friedhof. Der Bergrücken ist garnimmer weit und ich will diesmal wirklich nach oben. Aber ich und die Chinesischen Schlangen, wir hatten im letzten Urlaub so eine kleine Geschichte am Laufen. Drollige Begegnungen, die mich an den Rand des Herzinfarktes brachten. Damals war's immer gut gegangen.
Jetzt durch das Gestrüpp – Schlangen lieben Gestrüpp – querfeldein die letzten 100 Meter hoch, des is nix für mich. Aber der Berg schreit geradezu. Treffe auf Esel und eine verschreckte Hirtenhündin. Dann endlich, nachdem ich mich schon den Schlangentod sterben sehe – Mensch, hab ich Respekt vor den Viechern – finde ich zumindest einen Eselspfad, der mich über ein paar Umwege nach oben führt.
Da steh ich. Oben. Seufz. Was gibt es schöneres als an einem Berggrat entlangzulaufen. So ganz Grat ist er nicht. Vielmehr erstrecken sich da oben auf einer Hochebene Maisfelder und Obst(?)bäume. Nun geht es mir richtig gut. Kein Mensch. Nur ich und die Schlangen. Aber sie halten sich bedeckt oder es gibt hier einfach nicht so viele wie in Wuyuan. Nett.
Laufe und laufe über die Hochebene bis ich irgendwann über eine ziemlich staubige "Straße" wieder runter muss. Hatte den See aus den Augen verloren. 250 km2 waren einfach nicht mehr zu sehen. Und den muss ich sehen, weil mein Kompass nicht so ganz zuverlässig ist. Manchmal hat er Anwandlungen, bei denen irgendwie immer überall Norden ist. Mein „Muji"-Kompass. Dachte, die Japaner machen Qualitätsware. So viel zu dieser Mär.
Da steh ich. Oben. Seufz. Was gibt es schöneres als an einem Berggrat entlangzulaufen. So ganz Grat ist er nicht. Vielmehr erstrecken sich da oben auf einer Hochebene Maisfelder und Obst(?)bäume. Nun geht es mir richtig gut. Kein Mensch. Nur ich und die Schlangen. Aber sie halten sich bedeckt oder es gibt hier einfach nicht so viele wie in Wuyuan. Nett.
Laufe und laufe über die Hochebene bis ich irgendwann über eine ziemlich staubige "Straße" wieder runter muss. Hatte den See aus den Augen verloren. 250 km2 waren einfach nicht mehr zu sehen. Und den muss ich sehen, weil mein Kompass nicht so ganz zuverlässig ist. Manchmal hat er Anwandlungen, bei denen irgendwie immer überall Norden ist. Mein „Muji"-Kompass. Dachte, die Japaner machen Qualitätsware. So viel zu dieser Mär.
Komme an ein Dorf, in dem es nicht ein Lokal und nur einen Krämerladen gibt. Und da bin ich natürlich wieder der Außerirdische. Bizarr finde ich das schon. 3 km gegenüber auf der anderen Seite des Sees gähnen die Einheimischen den Touris ins Gesicht. Und hier laufen mir die Kinder in einer großen Schar hinterher. Verstecken sich immer wieder, weil Langnase ja gefährlich sein kann. Mischung aus Neugier, Ehrfurcht und Kinderquatsch.
Springe auf einen Bus. Stehe in der Tür, es ist brechend voll. Aber ich bin glücklich und nix und niemand kann mich heute ärgern. Bei der Ankunft in Xiaguan (Neu-Dali) beglücke ich die Schlepper – „Dali, Dali?“ - mit einem Lächeln, auch wenn ich sie links liegen lasse und nach einer Schüssel „jiaozi" Ausschau halte, bevor es weitergeht, zurück nach Dali Gucheng, der alten Stadt.
Dort werde ich noch von einem Schuster ausgeweidet, der mich aufgrund meiner völlig verdreckten Schuhe von der Straße holt. Da sitze ich in einer Seitengasse. Aus einem Schuhputzer wird ein Schuster, der an meinen Schuhen rumklebt, die Sohlen ausbessert und sie mit starkem Zwirn – zeigt er mir, ganz starker, guckst du – neu vernäht. Frage mich schon, was er mir wohl dafür aus der Nase ziehen wird. Lache bereits in mich hinein, denn heute hat mir der Tag ein sonniges Gemüt nebst Sonnenbrand-Auffrischung beschert. Ich denke so an unverschämte 50 Yuan. Als er mir die Rechnung präsentiert, lache ich wirklich erst mal los. 250 Yuan. Ein Viertel Monatsgehalt. "Zai laowai". Da isses wieder. Ausländer-Schlachten vom Feinsten. Ich diskutiere ein wenig mit ihm rum und gebe ihm dann unfassbare 150. Ich hätte einfach das Zauberwörtchen "jingcha" – Polizei – sprechen müssen und wir wären dem richtigen Preis näher gekommen. Aber dafür war ich heute zu gut gelaunt. Ein bisschen wehmütig lasse ich den Mann dennoch hinter mir. Warum müssen sie einen hier immer zur Schlachtbank führen?
Dafür war ich heute oben. Oben ganz allein. Und das zählt.
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